Travel Stories — Who are you not to be?

Travel Stories — Who are you not to be?

Farah steht vor uns und tritt nervös von einem Bein auf das andere. Er war schon immer der schüchternste unserer Schüler und der Einzige, der mich auch nach einer Woche noch ganz leise »Ma′am« flüsterte, wenn er eine Frage hatte, statt wie alle anderen zum viel persönlicheren »Kathy« überzugehen, wie der Rest der Klasse. Doch jetzt, heute, am letzten Tag des Kurses, muss auch Farah aus dem Schatten heraustreten und sein Zertifikat abholen. Stolz haben seine Mitschüler ihre empfangen, gedruckt auf gutem 100-Gramm-Papier und in Farbe.
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Fit for life macht es sie, steht darauf.

Fit for Life heißt auch das Programm hier im Community Center von Vrygrond, das neben dem Computerkurs im Township angeboten wird. Geschult in Microsoft Office, Kundenberatung und Aggressionsbewältigung. Durch nachgestellte Bewerbungsgespräche haben sie sich gequält, unsere Schüler, und ich hoffe, dass dieses Blatt Papier ihnen irgendwie einen Job und eine Zukunft bietet, auch, wenn der Initiator des Projekts neben uns steht und frustriert seufzt: »Wie viele von ihnen werden heute in einem Jahr trotzdem drogenabhängig sein?«

Tief drin weiß ich, dass er vielleicht recht hat. Doch es ist der Abschlusstag meiner Schüler und es steht uns nicht zu, an diesem Tag Wolken über ihre hell strahlende Zukunft zu schieben. Bevor ich, irgendwie wütend ob des Pessimismus, etwas sagen kann, nimmt Farah sein Zeugnis in die Hand und mir mit seiner Abschlussrede das Wort aus dem Mund

»Es ist nicht unsre größte Angst, nicht gut genug zu sein. Unsere größte Angst ist es, stark zu sein. Unermesslich stark. Das Licht in uns ist es, das uns ängstigt, nicht unsre Dunkelheit. Wir fragen uns: Wer bin ich schon, großartig zu sein, umwerfend und ganz und gar fabelhaft? Aber wer bist du eigentlich, es nicht zu sein?«
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Es ist ein paar Sekunden ganz still, bevor die Klasse in frenetischen Applaus ausbricht.

Ich kann in ihren leuchtenden Gesichtern sehen, dass sie sich in zwischen seinen Zeilen wiederfinden konnten. Dass sie sich in seiner unsicheren, zittrigen Stimme erkannt haben. Dass seine Angst vor der Zukunft die ihre widerspiegelt und dass die Frage in seinen Augen, ob er nur ein kleiner Junge aus dem Township mit großen Träumen ist, auch ihre schlaflosen Nächte beschäftigt. Und dass sie jemanden gebraucht haben, der genau jetzt genau diese Worte sagt.

Wir alle klatschen, wünschen ihnen das Beste und sogar der Projektleiter verstummt, denn vielleicht hat Farah ihn daran erinnert, dass wir alle wunderbar sind, fabelhaft und jeder von uns von innen strahlen kann, ganz egal, wo er herkommt oder wo er hin möchte. Wir müssen uns nur immer wieder daran erinnern.
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Our-deepest-fear-Marianne-Williamson

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Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Journalistin, arbeitet aber momentan im Projektmanagement und bloggt hier über ihre Auswanderer-Erlebnisse in Südafrika. Bevorzugt hält sie sich irgendwo in direkter Nähe zum Meer auf.
Kathi Daniela


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