Das Wort zum Sonntag — Loslassen

Das Wort zum Sonntag — Loslassen

Es ist Sonntagnacht, 3.00 Uhr. Ich bin so müde, dass ich im stehen schlafen könnte und doch wollen mir die Augen einfach nicht zufallen. Ich höre Hörspiele, um schlafen zu können, um meine lauten Gedanken zu übertönen, doch nicht einmal die helfen heute. Um 5.00 Uhr stehe ich auf, müde und erschlagen, nicht ganz sicher, wie ich den Tag Arbeit heute überstehen soll. Noch mal zwei Stunden und drei Tassen Kaffee später bin ich halbwegs wiederhergestellt, sitze im Sprechzimmer meines Hausarztes und klage ihm mein Leid: »Ich kann seit Tagen nicht mehr schlafen.« Er sieht mich an. Ein bisschen streng. »Frau Knorr, Sie müssen auch einfach mal loslassen.«
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Das Jahr 2016 hat für mich angefangen, wie das Jahr 2015 aufgehört hat: Mit Veränderungen.

Und ich tu mich schwer mit Veränderungen. Nein, falsch. Ich bin ein rastoser Mensch und ich brauche ständigen Wandel – aber nur, wenn ich ihn auch selbst herbeigeführt hab. Veränderungen, die ich nicht beeinflussen kann und die einfach passieren, machen mich gelegentlich… wahnsinnig.

Doch an dem weisen Spruch, dass Leben das ist, was passiert, während man dabei ist, Pläne zu schmieden, ist eben schon was dran. Leben passiert einfach. Und es gibt viele Dinge, die stehen nicht in unserer Macht: Krieg oder Frieden, was andere Menschen über uns denken, die wirtschaftliche Lage, Trennungen oder Auseinanderleben.  Was wir tun können, ist im Kleinen unseren Teil beizutragen. Gutes Tun kann jeder – und zwar anderen und sich selbst – ohne großen Aufwand, wenn er es denn möchte.
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Und genau das möchte ich 2016 üben: Loslassen.

Mich nicht an den Dingen aufzuhängen, die ich nicht ändern kann, sondern das Beste aus ihnen zu machen. Und sie im allergrößten Notfall einfach solange durch Ablenkung zu ignorieren, bis sie mich nicht mehr jucken. Das wird keine leichte Aufgabe, es wird sogar eine ziemliche Herausforderung. Aber es wird mein Leben auch so viel leichter und schwereloser machen.

Und vielleicht hat mein Arzt ja auch recht: Es hilft manchmal einfach nur, loszulassen und die Kontrolle abzugeben. Dem Leben einfach ein bisschen mehr zu vertrauen.


Gibt es ein Wort, das ein ganzes Jahr beschreiben kann? Schon im Februar? Oder ist es einfach zu hart, ein Jahr in ein paar Buchstaben zusammen zu fassen? Den Gedanken fand ich spannend genug, um ihn weiter zu denken. Gefunden habe ich  die Blogparade »Mein Wort 2016« bei Maribel. Die Idee kommt von Tanja von Reiseaufnahmen. Hier könnt ihr auf ihrem Blog bis zum 15. Februar auch noch teilnehmen.

Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Freelance Journalistin und Content Writerin, Travel Bloggerin. Sie hat ein Jahr als Expat in Südafrika gelebt - inzwischen wohnt sie in Prag und Nürnberg
Kathi Daniela


8 thoughts on “Das Wort zum Sonntag — Loslassen”

  • Hallo Kathi,

    ach herrje, so eine schlaflose Nacht würde mich fertig machen!

    Loslassen gehört für mich zu den schwierigsten Dingen überhaupt. Wenn ich mich in etwas reingesteigert habe, dann fällt es mir immens schwer, mein Gedankenkarussel wieder zu stoppen. Es gibt Dinge von denen ich nur zu gut weiß, wie sinnlos sie sind, aber ich kann es auch nicht lassen. Umso mehr wünsche ich dir, dass dir das mit dem loslassen gelingt!

    Danke fürs mitmachen bei meiner Blogparade.

    Liebe Grüße
    Tanja

  • Wenn ich mich in meinen Gedanken mal wieder verrenne, dann schreib ich oft einfach alles auf und schmeiß den Zettel am Ende weg. Wenn nämlich alles einmal raus ist, sehen die meisten „Probleme“ ziemlich mickrig aus.

    Mein Jahr findet dieses Jahr unter dem Motto: „Raus aus der Komfortzone“ statt. Da verkriech ich mich nämlich zu oft und zu gerne.

    • Hey, das ist echt voll die gute Idee! Und wenn’s nur für den Kopf und die Genugtuung ist, es weg zu werfen! Das probier ich das nächste Mal echt aus 🙂
      Für die Komfortzone hat mir dieses Zitat aus „We bought a Zoo“ irgendwie echt weiter geholfen: „You know, sometimes all you need is twenty seconds of insane courage.“ Damit fällt’s mir irgendwie leichter, den ersten Schritt zu machen.

  • Meine liebe Kathi, das ist genau das was ich in meinem Leben auch mache. Es einfach hinnehmen. Das ist tatsächlich nicht immer einfach! Ganz im Gegenteil, denn vieles würde man ums Verrecken gerne ändern, weil man eben nicht will, dass es s ist, wie es ist. Aber oft kann man das tatsächlich nicht beeinflussen und dann muss man sich selbst dazu zwingen einfach weiterzumachen und eben das Beste draus zu machen. Wenn du dir das mal angewöhnt hast wirst du sehen wie einfach es sein kann. Zumindest in den meisten Fällen. Und dann können sogar solche Veränderungen positives mit sich bringen. Ich drück dir auf jeden Fall feste die Daumen :-*

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