Das Wort zum Sonntag — Vom Bloggen und Selbstzweifeln

Das Wort zum Sonntag — Vom Bloggen und Selbstzweifeln

»Ach, du schreibst jetzt hauptberuflich?«, er sieht mich an mit diesen leicht hochgezogenen Augenbrauen. So wie früher. Vor fünf Jahren hätten mich seine Worte zum Grübeln gebracht und bis in die Grundfesten verunsichert. Heute ringe ich mir nur ein müdes Lächeln ab und zucke die Schultern, lustlos, mich zu verteidigen. Und doch… irgendwo in meinem Hinterkopf sind seine Worte immer noch präsent. Wenn ich freelance-mäßig unterwegs bin und einen Artikel an eine fremde Redaktion schicke. Wenn ich einen Gastbeitrag verfasse. Und sie sind auch diesen Sonntag präsent, während ich meine Kolumne schreibe. Es ist dieser Gedanke, den es schon länger so gibt und der immer wieder auftaucht: Bin ich wirklich gut genug?
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Ich hasche nicht nach Followern.

Ich blogge, um mit meinen Worten Menschen zu begeistern, Menschen zu finden, die das gleiche denken und das gleiche fühlen. Viele meiner Follower kenne ich persönlich. Ein paar würde ich liebend gerne mal persönlich kennen lernen (Lara, Kia, Tatjana und Diana ihr dürft euch angesprochen fühlen :-)). Und dennoch: Ich habe mal gehört, dass Journalisten eigentlich sehr narzisstische, extrovertierte Menschen sind: Schließlich freuen sie sich tierisch, ihren eigenen Namen auf ein Blatt Papier gedruckt zu sehen, dass hunderttausende Male in Deutschland rumliegt. Und vielleicht stimmt das ja sogar, denn manchmal wünsche ich mir einfach Resonanz. Ich wünsch mir Klicks, Likes, Kommentare – so egoistisch und ich-bezogen das auch ist.

Dann vergleiche ich mich mit den deutschen Blogger-Größen. Sicherlich jede Menge nette Mädels. Doch ich bin nicht gut mit Mode, so wie sie. Ich hab keinen wohldefinierten Style, denn ich irgendwo zwischen Fachwerkhaus und modern-futuristscher architektonischer Meisterleistung fotografisch festhalten kann. Ich hab halt Klamotten an. Und ich esse gerne und viel. Aber mein Abendessen so ansprechend abzulichten, dass irgendjemand den Drang verspürt, das Gleiche zu verspeisen, ist mir bisher noch nicht gelungen. Was ich tue, das ist Schreiben, Geschichten erzählen. Und warum? Einfach, weil ich Wörter mag und weil sie sich in meinem Kopf zu Sätzen aufaddieren, die dann auf Papier müssen.
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Rum-Philosophieren, nannte er es immer.

Und manchmal frage ich mich: Warum mach ich das überhaupt? Bin ich überhaupt gut genug? Da gibt es schließlich Luise und Luise oder Lina, die mit ihren Worten verzaubern. Ich möchte mich abheben, anders sein, einen Mehrwert bieten, denke ich mir dann. Nicht in der Masse der Blogger untergehen – aber wie macht man das? Wie macht man das, wenn jeder auf seine ganz eigene Art und Weise gut ist? Da ist man doch chancenlos… und könnte es gleich sein lassen.

Und gleichzeitig… gleichzeitig möchte ich einfach nur schreiben. Die Worte von meiner Seele purzeln lassen und manchmal – da werfe ich sie ja direkt in eure offenen Arme. Und bin überglücklich, dass sie doch ankommen.

Und solange es mich glücklich macht das schreiben, solange wird es auch diesen Blog noch geben. Auch, wenn ich nicht weiß, wo es uns hinführen wird. Aber ich werde es halten, wie mit den meisten Dingen in meinem Leben: Ich lasse mich überraschen.

Und ich freu mich über jeden von euch, der mit an Bord ist.

Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Freelance Journalistin und Content Writerin, Travel Bloggerin. Sie hat ein Jahr als Expat in Südafrika gelebt - inzwischen wohnt sie in Prag und Nürnberg
Kathi Daniela


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