Das Wort zum Sonntag — Hast du ein Schema?

Das Wort zum Sonntag — Hast du ein Schema?

»Ich date da seit einer Weile dieses Mädel«, erzählt er bei einem Gin Tonic und einer Zigarette auf der Terrasse, »Sie ist nett. Nett, aber langweilig. Eigentlich… interessiert sie mich gar nicht mal besonders.« Ich erinnere mich daran, dass wir das Gespräch schon einmal geführt haben, nämlich, als wir uns das letzte Mal gesehen haben. Das war irgendwann vor Weihnachten, die Frau war eine andere und das Setting auch. Aber seine Worte – die hab ich genau so schon mal gehört. »Du hast da ein Schema, merkst du das?«, necke ich ihn. Er zieht eine Schnute, legt den Kopf schief, zuckt die Schultern. »Scheint so. Und was ist dein Schema?« Ich muss überlegen. Habe ich ein Schema?
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Haben wir alle beim Daten ein Schema?

Ein Schema, das hinausgeht über grüne Augen, die uns unsere Hausnummer vergessen machen, eine Vorliebe für Nike-Schuhe oder schwarzbraune Locken? Und wenn ja, wie können wir es überwinden? Der Freund, mit dem ich unterwegs war, hat auch ein optisches Schema: Groß sollen sie sein. Blond vielleicht. Eigentlich so wie er. Nur mit Brüsten. Und in langweilig. Aber warum eigentlich? Weil er sich selbst für langweilig hält? Weil er einen Ruhepol braucht? Suchen wir uns Partner, die uns ähneln? Oder ziehen Gegensätze sich an?

Wenn ich mir die Männer ansehe, die ich für längere Zeit gedatet habe, hatten sie alle eine Gemeinsamkeit: Sie waren gierig nach Veränderung. Sie wollten nicht bleiben. Ja, es gab ein Schema – das mich angezogen hat, unweigerlich. Das Gefühl der Rastlosigkeit, mein alter Bekannter. Doch wie lässt es sich stillen? Mit einer Beziehung? Das ist ungefähr so, als hätte ich versucht, das Loch in mir drin mit dem Loch eines anderen Menschen zu stopfen. Needless to say, dass das nie geklappt hat.

Eine andere Freundin sucht wegen ihrer geschiedenen Eltern nach einem Partner, der sie umsorgt. Jemand, der jederzeit und immer für sie da ist, der die Nähe sucht und den Kontakt – und fühlt sich nach wenigen Monaten von ihm erdrückt.Und dennoch kann sie nicht anders, als jedes Mal wieder Männer zu daten, die zu schnell zu viel Nähe wollen. Denn Nähe ist schließlich das, was sie sich insgeheim wünscht. Wonach sie sich sehnt – und was sie gleichzeitig nicht ertragen kann, da sie nicht aus ihrer Hut kann.
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Bleibt die Frage: Warum suchen wir uns Partner, die eigentlich gar nicht so gut zu uns passen?

Vielleicht finden wir ja auch nur attraktiv, was wir jahrelang selbst in uns gesehen haben? Weil wir es kennen und glauben, besser damit umgehen zu können.Doch kein Partner wird jemals die hohle Stelle in unserem Herzen füllen können – vor allem dann nicht, wenn wir insgeheim gar nicht bereit dafür sind, jemanden diesen leeren Platz einnehmen zu lassen. Und solange wir uns nicht davon lösen, wird sich gar nichts ändern. So ist es ja schließlich auch bei der Selbsterkenntnis – die ist nur der erste Schritt zur Besserung. Obwohl es natürlich am Schönsten wäre, wenn man sich gemeinsam bessern könnte.
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Foto: unsplash.com

Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Journalistin, arbeitet aber momentan im Projektmanagement und bloggt hier über ihre Auswanderer-Erlebnisse in Südafrika. Bevorzugt hält sie sich irgendwo in direkter Nähe zum Meer auf.
Kathi Daniela


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