Das Wort zum Sonntag — Warum können wir nicht allein sein?

Das Wort zum Sonntag — Warum können wir nicht allein sein?

Letztes Wochenende war ich auf einer Hochzeit. Es war eine traumhafte Hochzeit, ein wunderschönes Event und ich liebe die Braut über alles. Obwohl es schon seltsam ist, dass eine meiner besten Freundinnen nun anders heißen soll als damals, als ich sie kennen gelernt hab. Als ich einer anderen Freundin von der Hochzeit erzähle, dem Tanz, dem Brautstrauß werfen, lacht sie. »Ich kann mir schon vorstellen, wie alle sich um das Ding kloppen und du stehst in der letzten Reihe – mit ner Kippe in der einen und nem Glas Wein in der anderen Hand.« Ich lache, weil ich weiß, wie es gemeint ist, aber einen winzigen Stich verspüre ich in den Augenblick dann doch. Weil meine Freundinnen mich so sehen – oder weil es der Wahrheit entsprochen hat? Bin ich tatsächlich schon so ironisch geworden?
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Wenn ich ein Dating-Schema hätte, dann wäre es: Schmetterlinge und Feuerwerk.

Sieht schön aus, aber brennt schnell runter und danach ist es doch wieder stockfinster. Das Endless-Love-Prinzip zu verinnerlichen fällt mir deshalb noch etwas schwer. Ich möchte ja gerne glauben, dass da draußen irgendwo jemand unterwegs ist, der genauso verrückt ist wie ich und nur darauf wartet, mir das Köpfchen zu streicheln, mir zu versichern Alles wird gut und es gar nicht erwarten kann, meine Neurosen zu teilen. Auch die, die nicht besonders liebreizend und putzig sind. Und wenn ich nach ein paar Dates merke, das jemand wesentlich weniger gerne mit dem Zirkus losziehen würde als ich, dann lasse ich ihn halt wieder ziehen.

Ganz anders meine Freundin, die seit einem Jahr mit diesem Kerl zusammen ist. Vorgestellt hat sie ihn mir nie. Als ich sie mal fragte warum sie mir den Mann, den sie liebte, nicht vorstellen könne, sagte sie: »Ich liebe ihn nicht! Ich versuche seit Monaten, ihn zu lieben, aber es entwickeln sich keine Gefühle.« Auf meine Frage, warum sie dann zusammen wären, wusste sie eine ganz einfache Antwort: »Er ist nett zu mir und … es ist besser, als alleine zu sein!«
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Ich werde das Konzept des Datens um des Datens willen niemals verstehen.

Ich werde das Zusammen sein, nur im irgendjemanden zu haben niemals verstehen. Warum sollte ich Irgendjemandem mein Innerstes offen legen? Ich möchte es mit jemandem teilen, der mir das gleiche Vertrauen entgegenbringt, wie ich ihm. Dessen Ängste und Neurosen und Träume ich teilen möchte. Will ich Irgendjemandes Ängste und Neurosen kennen lernen? Will ich, dass mir Irgendjemand auf den Grund der Seele gucken kann? Will ich jeden Nacht neben Irgendjemandem einschlafen? Not me!
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Doch warum können so viele von uns nur so schlecht alleine sein?

Vielleicht, weil uns immer noch eingeredet wird, wir müssten als Single automatisch unglücklicher sein, als Menschen in einer festen Beziehung? Oder weil eine Frau immer noch vor allem ein Ziel im Leben haben sollte: Endlich einen Ring an den Finger gesteckt zu bekommen. Sogar Sex and the City suggeriert uns, dass es eigentlich – außer guten Freundinnen – nur eins im Leben gibt: die Suche nach dem richtigen Mann. Und ohne den sind wir irgendwie doch nur halbe Menschen. Also sollten wir unsere Zeit entweder damit verbringen, die Wunden unserer letzten Beziehung zu lecken – aber bitte nicht zu lange, das endet sonst als verbitterte alte Jungfer – oder uns auf dem Parkett der Dating-Szene rumzutreiben.

Wenn ich sage: Ich bin Single!, dann ernte ich keine neidischen Blicke, weil ich tun und lassen kann was ich will. Weil ich meine Wohnung nicht aufräumen muss, wenn ich keine Lust hab, weil ich meine Pizza abends nicht teilen muss oder weil ich einfach so mal beschließen kann, auszuwandern. Dann ernte ich mitleidige Blicke. Und Worte wie: Der Richtige kommt schon noch! Ja, das hoffe ich. Das wünsche ich mir! Aber wenn nicht? Dann möchte ich trotzdem ein glückliches und zufriedenes Leben führen – mit mir, als ganzer Mensch!
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Foto: Thanks to the wonderful Lia La

Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Freelance Journalistin und Content Writerin, Travel Bloggerin. Sie hat ein Jahr als Expat in Südafrika gelebt - inzwischen wohnt sie in Prag und Nürnberg
Kathi Daniela


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