Auswandern nach Südafrika: So geht’s

Auswandern nach Südafrika:  So geht’s

Zusätzlich zu meinem allgemeinen Artikel mit der Auswanderungs-Checkliste, die ich in den vergangenen Monaten (noch nicht wirklich, aber ein wenig) perfektioniert habe, möchte ich jedem, der nach Südafrika auswandern möchte, noch ein paar spezifische Informationen auf den Weg geben. Denn das Land an der Spitze Afrikas hat was die Einwanderung betrifft, so einige Besonderheiten aufzuweisen. Let’s get us started. Wie hat das bei mir funktioniert?

Auswandern nach Südafrika

♦ Jobsuche
♦ Visum
♦ Kosten


Der Job

Hier offenbart sich gleich das erste Problem: Die Einwanderungsgesetze in Südafrika sind sehr streng, vor allem seit der Änderung die im Jahr 2014 stattgefunden hat. Was das heißt? Um eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, müssen beispielsweise folgendes Kriterium erfüllt sein: Der Arbeitgeber konnte trotz intensiver Suche keinen südafrikanischen Arbeitnehmer mit vergleichbaren Fähigkeiten wie der Antragsteller. Leicht vorzustellen, dass das die Jobsuche um einiges erschwert. Die meisten Deutschen, die es ans Kap zieht, beißen deshalb in den sauren Apfel und arbeiten erst einmal in einem Callcenter. Gute Anlaufpunkte, um ein Visum zu erhalten: Amazon oder Lufthansa.

Wo habe ich mich beworben?

Ich hatte Glück. Ich habe mich über die Personalvermittlung AKA Recruitment in Kapstadt beworben. Welche Jobs sie gerade verfügbar haben, seht ihr hier. Mit etwas Glück ist da auch einer dabei, der keine reine Call-Center-Arbeit beinhaltet.


Und wie läuft das Bewerbungsverfahren bei Aka Recruitment ab?

Ein kleiner Tipp zur Bewerbung: CV natürlich auf jeden Fall auf Englisch, ein Bild gehört dazu und was im südafrikanischen Raum wichtig ist: Referezenzschreiben und Kontakte! Grabt also am besten gleich alte Chefs, Praktikumsbetreuer, Bachelorarbeitsbetreuer oder Ausbilder heraus und fragt, ob ihr sie als Referenzpersonen nennen dürft.

Nachdem ich meinen Lebenslauf an Aka Recruitment geschickt habe, bekam ich schon sehr bald einen Termin zum Skype-Interview. Die Mädels bei Aka Recruitment – die übrigens alle Deutsch sprechen – klären einen dann über das Leben und Arbeiten in Kapstadt auf, sprich: Geringere Löhne, höhere Krankenversicherungskosten, weniger Urlaub aber dafür: Strand, Sonne, Tafelberg… Was mir besonders gut gefallen hat: Sie schmieren einem Bewerber keinen Honig um den Mund, sondern sind total offen und ehrlich, auch, was die Jobsituation am Kap angeht.

Nach meinem Gespräch mit Aka Recruitment wurde ich weiter vermittelt und bin jetzt bei einer Desktop-Publishing und Grafik-Design Firma gelandet. Auch da wieder: Skype-Interview, Assessment-Test in Form einer Übersetzung und einer Grafik-Design-Aufgabe und dann: die Zusage. Doch damit geht der Spaß erst richtig los!

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Das Visum

Ist die Aufregung über Jobinterviews und Test-Übersetzungen überstanden, geht es direkt mit dem Visumsprozess weiter. Schließlich soll der neue Job ja auch irgendwann mal starten. Hierzu wurde mir von meiner neuen Firma eine Immigrationsagentur zur Seite gestellt – das wird übrigens auch überall, wo ich recherchiert habe für Arbeitsvisen dringend empfohlen. Toll nachlesen kann man alles über die unterschiedlichen Visa in Südafrika auch beim Kapstadtmagazin. Mich hat IMCOSA betreut, bekannt ist wohl auch noch Intergate Immigration, mit denen habe ich allerdings keinerlei Erfahrung.

Allerdings lassen solche Agenturen sich ihre Arbeit natürlich auch ordentlich bezahlen. Wer also ein wenig Recherchearbeit nicht scheut, kann das sicherlich auch selbst erledigen – es bedeutet nur mehr Stress.


Die Visumsunterlagen

Ich muss gestehen: Obwohl selbst die Einwanderungsagenturen mit afrikanischer Geschwindigkeit arbeiten, war ich trotzdem dankbar um die Unterstützung bei allen Unterlagen. Was benötigt wird, kann man auch beim südafrikanischen Konsulat nachlesen. Für eine Critical Skill Permit oder eine General Work Permit wird benötigt:

  • Ein sogenanntes SAQA-Zertifikat für die Anerkennung ausländerischer Studienabschlüsse (Hallo? Bologna?)
  • Ein biometrisches Passbild
  • Kopien des gesamten Passes, inklusive der bereits für Südafrika ausgestellten Visa
  • Der Arbeitsvertrag
  • Ein medizinisches und radiologischer Bericht
  • Ein Führungszeugnis
  • Ein Referenzschreiben des zukünftigen Arbeitgebers
  • Referenzschreiben der alten Arbeitgeber
  • Ein Kontoauszug über die Zahlung der Visagebühren
  • Ein Kontoauszug zum Beweis genügend vorhandener Zahlungsmittel
  • Ein Nachweis der Flugbuchung
  • Für das Critical Skills Visa: Ein Nachweis, dass der auszuübende Job in die Critical Skills Kategorie fällt (für diese gibt es eine Liste der Regierung mit Berufen, die in Südafrika gebraucht werden, hier könnt ihr checken, ob euer Job dabei ist)

Versteht sich von selbst, dass sämtlichen Zeugnisse und Referenzschreiben einer englischen Übersetzung bedürfen, oder? Die darf nur ein anerkannter Übersetzer anfertigen, also lasst das am besten auch die Immigrationsagentur erledigen oder erkundigt euch auf jeden Fall, ob der Übersetzer in Südafrika anerkannt wird, zu dem ihr geht. Selbst übersetzen geht gar nicht und ist strafbar! Außerdem müssen alle Dokumente offiziell beglaubigt werden. Das geht beim Notar, auf Bürgerämtern und bei mir ging es auch im Rathaus. Kostet aber happige fünf Euro pro Dokument.


Der Visumsantrag

Sind endlich alle Unterlagen gesammelt, dann geht der wirkliche Spaß los: die Visumsbeantragung am Konsulat. Und das ist kein Spaß, denn ich schwöre euch, dass man euch behandeln wird, wie einen Flugpassagier, der vom Zoll mit 5 Kilo Koks im Gepäck erwischt wurde. Es ist nicht schön und da hilft nur eins: Lächeln, nicken, Zähne zusammen beißen.

Auf dem Konsulat müsst ihr persönlich erscheinen, um das Visum zu beantragen. Unbedingt dabei muss auch der Reisepass sein, der außerdem für die Dauer des Visums gültig sein muss (sonst wird das Visum entsprechend kürzer oder eventuell gar nicht ausgestellt).

Wer in Norddeutschland wohnhaft ist, muss nach Berlin:
Südafrikanische Botschaft
Tiergartenstraße 18
10785 Berlin
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9.00 – 17.00 Uhr, Mittwoch geschlossen

Wer in Süddeutschland wohnt, muss nach München:
Südafrikanisches Generalkonsulat
Sendlinger-Tor-Platz 5
80336 München
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9.00 – 12.00 Uhr

Euer Reisepass wird vom Konsulat während der Bearbeitungszeit einbehalten und dann per Post samt Visum zugestellt. Deshalb muss mit dem Antrag ein DHL Express-Umschlag abgegeben werden. Den gibt es für 6 Euro in jeder Postfiliale. Die Bearbeitungszeit beträgt dann 8 – 10 Wochen.

Und noch ein Tipp: Als ich mein Visum beantragt habe, wurden alle drei Antragsteller vor mir wegen fehlender Dokumente nach Hause geschickt. Manchmal fehlen Dinge, die gar nicht auf der Liste stehen. Aber wenn es beim Konsulat heißt, dass sie fehlen, dann fehlen sie… also nehmt besser alles mit was ihr habt! Orginale, Beglaubigungen, Kopien, Deutsch, Englisch, Französisch. Wenn ihr alle Unterlagen mitnehmt, die ihr in den vergangenen Monaten gesammelt habt, kann eigentlich nichts schief gehen.

Cape Point Sign Distances

Die Kosten

Ich will euch nochmal alle Kosten aufsplitten, die für das Visum aufgekommen sind, denn das ist nicht ohne.

  • Passfotos: 10 Euro
  • Medizinisches Zeugnis: 15 Euro
  • Radiologisches Zeugnis: 40 Euro
  • Beglaubigte Kopie meines Reisepasses: 5 Euro
  • Beglaubigte Kopie meiner Abschlüsse und Arbeitszeugnisse: 30 Euro (pro Dokument 5 Euro)
  • Kosten für die Immigrationsagentur: ca. 500 – 1.000 Euro
  • Kosten für beglaubigte Übersetzungen: ca. 60 Euro (20 – 30 Euro pro Seite)
  • Kosten für das Visum: 281 Euro

Ohne Immigrationsagentur kostet euch das Visum als rund 400 Euro.
Mit Immigrationsagentur könnt ihr locker mit über 1.000 Euro rechnen.


Mit Wohnungssuche, Auto, Versicherung etc. befasse ich mich in einem nächsten Post.
Viel Glück bei der Jobsuche in Kapstadt!

Foto: 7th Groove/Flickr.com, CC BY-SA 2.0

Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Journalistin, arbeitet aber momentan im Projektmanagement und bloggt hier über ihre Auswanderer-Erlebnisse in Südafrika. Bevorzugt hält sie sich irgendwo in direkter Nähe zum Meer auf.
Kathi Daniela


6 thoughts on “Auswandern nach Südafrika: So geht’s”

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