5 Fragen an Auswanderer: Maria in England

5 Fragen an Auswanderer: Maria in England

Ich entschuldige mich bei euch allen für die lange Funkstille! Einleben, Freunde finden, administrative Angelegenheiten regeln und Wohnung suchen nehmen einen Großteil von meinem Offline-Leben ein. Kurzfristig wohnungslos war ich damit auch internetlos. Aber ab jetzt gelobe ich Besserung – auch wenn das beim kommenden Sommer hier sicherlich nicht immer klappen wird.

Zur Einstimmung nach einer kurzen Pause hab ich ein ganz besonderes Schmankerl für euch: Ich freu mich riesig dass Maria, deren Blog ich schon seit Jahren lese, einen Artikel für meine Auswanderer- und Reisendenstrecke verfasst hat! 


Liebe Maria, stell dich doch meinen Lesern einmal vor!

Ich bin Maria vom Outdoor-Reise- und Happy-Life-Style-Blog Maria meets Anna, auf dem ich über meine abenteuerlichen Reisen durch die schönsten Landschaften dieser Welt und ein erfülltes Leben in der Selbstständigkeit schreibe.

Heute soll es aber um etwas ganz anderes gehen: Den Sommer 2009 verbrachte ich nämlich bei einer Gastfamilie in Manchester, um mein Englisch auf Kurs zu bringen. Was geblieben ist? Eine unendlich Liebe zu Großbritannien, viele Erinnerungen und Erlebnisse und ganz viele Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.

Was hast du am meisten vermisst?

Graubrot! Die Briten fahren voll auf Weißbrot ab, das man in die Hand nehmen, zur Kugel formen und gegen die Wand werfen kann – und es nimmt immer wieder seine ursprüngliche Form an, weil es so weich ist. Mein Verlangen nach unserem typischen, dunklen Brot kam sehr schnell und verging auch in der ganzen Zeit nicht. Gut, dass es auch in Manchester einen Aldi gab, bei dem ich mich hin und wieder mit meinem Lieblingsbrot eindecken konnte.

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Was hast du gelernt?

Dass man in einen gleich abfahrenden ICE nur einsteigen sollte, wenn man auch wirklich mitfahren möchte, dass alleine fliegen gar nicht schlimm ist und ich, ganz auf mich allein gestellt, stärker bin, als ich dachte. Dass Menschen, egal wie fremd sie sind, schnell zu Freunden werden können, dass der Stadtteil Harpurhey nicht so schlimm ist wie sein Ruf und ich nichts mehr lieber tun möchte, als zu reisen.

Das Abenteuer begann in Hannover, wo meine Mama, mein Bruder und mein Stiefpapa mich zum ICE nach Köln brachten. Alle Koffer und Taschen waren verstaut, Abschiedsumarmungen verteilt und „tüd tüd tüd“ – war die Tür zu. „Entschuldigen Sie, wir müssen noch aussteigen, der ICE fährt doch erst in zwei Minuten ab.“, sagte meine bereits etwas hysterische Mama. „Oh, ja also die Türen können wir jetzt nich mehr öffnen. Dann müssen sie wohl mitfahren.“, sagt die Zugbegleiterin.

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Es war meine erste Reise, bei der ich ganz allein geflogen bin. Ganz allein vom Flughafen zur Gastfamilie fand. Mich ganz allein durch das Industrieviertel zum Elektromarkt fragte. Ich entdeckte Manchester erst für mich und dann mit neuen Freunden. Und ich merkte, dass ich an diesem Alleinsein Gefallen fand. Allein war ich mutiger, die Sprache zu nutzen, auf Fremde zuzugehen und neue Wege zu bestreiten, als in Gesellschaft. Ich nahm so viel mehr von meiner Umgebung wahr – und natürlich auch von mir.

Was hättest du gerne vorher gewusst?

Dass ein Sommer zu kurz ist. Dass ich mich ruhig hätte für das anschließende Studium bewerben sollen, es hätte schon irgendwie geklappt – auch mit dem Geld. Es gibt immer einen Weg und ich hätte mich einfach nicht so schnell entmutigen lassen, selbst entmutigen sollen. Ich hätte gern gewusst, dass ich mich auf mich und mein Bauchgefühl verlassen kann, egal welche Anstrengungen und Hürden das mit sich bringt, so lange ich bei mir bleibe. Dafür weiß ich es ja jetzt.

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Wie hast du Locals kennen gelernt?

Trotz dieser wichtigen Erfahrungen für mich selbst, möchte ich meine Freunde aus Manchester und der Welt nicht missen. Ich hatte das Glück, bei einer ganz wunderbaren Gastfamilie unterzukommen, mit der ich kochte (Ja, die britische Küche ist großartig!), Freunde und Verwandten besuchte, mit bunten Gesichtsmasken „Emmerdale“ schaute und den Nachbarn bei ihren Zaunkriegen zusah.

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Meine Freunde, von denen einige aus Manchester und andere aus Deutschland, Frankreich, Japan und China kamen, lernte ich in der Sprachschule kennen. Das war natürlich leicht. Aber auch so kam ich immer mit Locals ins Gespräch. Wenn man freundlich, offen und interessiert ist, erhält man in Großbritannien – und generell auf Reisen – selten eine Abfuhr.

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Ich habe in Manchester zum Beispiel in Harpurhey gewohnt, das als eines der schlimmsten Viertel Englands gilt – wie ich nach Wochen von Freunden erfuhr. Ich bin von Anfang an nett auf die Menschen zugegangen und mir ist nie etwas passiert. Ganz im Gegenteil: Ich wurde vom Cafébesitzer auf ein English Breakfast eingeladen, weil ich ihm aus meiner Heimat berichtete, wurde einmal umsonst vom Busfahrer mitgenommen, weil ich zu wenig Geld für die Fahrkarte dabei hatte.

Dass Harpurhey keinen guten Ruf hat, erfuhr ich erst viel später während einer nächtlichen Busfahrt: „Oh man, hier darfst du echt niemals aussteigen, Maria. Schon gar nicht im Dunkeln!“, sagte Seung. „Das ist wirklich übel hier, echt, geh’ hier nicht her, ok?“, setzte Mathias nach. „Ja Jungs, dann bis morgen. Ich wohne hier!“, sagte ich und konnte mir das Lachen bei ihren verdutzen Gesichtern nicht verkneifen. Ich war froh, vorher nicht um Harpurheys Ruf zu wissen, vielleicht wäre ich sonst nicht so unbeschwert auf die Menschen zugegangen.

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Warum würdest du es (nicht) wieder tun?

Ich bin seit diesem Sommer vom Reisefieber infiziert. Ich muss reisen, andere Länder entdecken, mich in fremde Kulturen einfinden und Abenteuer erleben, es geht gar nicht anders. Und genau deswegen würde ich auch immer wieder gern im Ausland wohnen. Eine der schönsten und wichtigsten Erfahrungen meines Lebens!


Wie schon erwähnt bin ich echt ein riesiger Fan von Maria! Vor allem ihre Entwicklung zur Unabhängigkeit, zum Freelancer und digitalen Nomadendasein war unglaublich spannend zu verfolgen. Und jetzt? Steht sie in den Startlöchern für eine Weltreise – es gibt also jede Menge zu lese auf Maria meets Anna – schaut mal vorbei!

Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Journalistin, arbeitet aber momentan im Projektmanagement und bloggt hier über ihre Auswanderer-Erlebnisse in Südafrika. Bevorzugt hält sie sich irgendwo in direkter Nähe zum Meer auf.
Kathi Daniela


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