Travel stories — #feesmustfall

Travel stories — #feesmustfall

Wer ein normales Arbeitsleben führt, der bekommt es kaum mit. Doch die Studenten Südafrikas sind in Aufruhr! Der Rest der Welt kennt Studentenproteste als Versammlungen, in denen vor allem diejenigen, die sich überhaupt für Politik interessieren, auf die Straße gehen.

Doch hier in Südafrika sieht die Lage im Moment anders aus.

Studenten protestieren nicht nur, sie randalieren, schreien, toben und liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. Alles unter dem Aufschrei #feesmustfall, der schon vergangenes Jahr durch die südafrikanisches Universitäten getobt ist. Freunde diskutieren in Whatsapp-Gruppen, welche Schutzmöglichkeiten es gegen Tränengas gibt und eine Freunde, die als PhD-Researcher an der Universität von Kapstadt arbeitet, war schon seit vier Wochen nicht mehr im Buero. Wer nicht vom eigenen Chef informiert wird, aus Gründen der eigenen Sicherheit Zuhause zu bleiben, der wird spätestens am Eingang der Universität von schwer bewaffneten Soldaten oder Polizisten angehalten und wieder nach Hause geschickt.

Natürlich könnte ich als normaler Arbeitnehmer diese Proteste ignorieren, selbst wenn Freunde von mir betroffen sind. Immerhin treffen die sich mit ihren Arbeitskollegen in irgendwelchen fancy Cafés mit free WiFi und sind in Sicherheit. Doch so viele Studenten in Südafrika kämpfen gerade für ihr Recht, und wer europäische freie Bildung genießen dufte, sollte das nicht ignorieren.

Doch warum diese Situation?

Die Proteste sind wieder aufgeflammt, als Mitte August vom Bildungsministerium verkündet wurde, dass eine Senkung der Studiengebühren im Jahr 2017 auf keinen Fall möglich sei. Im Gegenteil: Inflationsbedingt sollen die Gebühren sogar steigen, die ohnehin so hoch sind, dass viele Südafrikaner sie sich gar nicht leisten können. Schon drei Tage nach Verkündung fanden die ersten Proteste an südafrikanischen Universitäten statt. Studenten blockierten Autobahnen, warfen Steine, die Polizei setzte Tränengas ein, es gab Festnahmen.

Mitte September erreichten die Proteste Kapstadt, die Universität blieb geschlossen. Auch hier: Gewalt von und gegen Studenten. Vorlesungssäle wurden zerstört, Feuer gelegt. In Johannesburg zündeten Studenten sogar einen Bus an. Noch steht nicht fest, ob das Semester hier in Kapstadt überhaupt beendet werden kann. Noch immer heißt es, die Gebühren sollen erhöht werden, während die Studenten mit zunehmender Verzweiflung für freie Bildung kämpfen. Doch mit welchen Methoden? Denn es scheint zweifelhaft, durch Vandalismus und Gewalt und durch die Schließung sämtlicher Universitäten eine Einsparung von Geldern und eine Senkung der Gebühren zu erreichen. Schon jetzt haben die Bildungseinrichtungen Milliarden verloren. Doch die Studenten kennen keinen anderen Weg mehr als Gewalt. Ihre Geduld ist erschöpft.

Und eigentlich möchte ich deshalb mit diesem Artikel heute nur eines sagen: Wir sind sehr privilegiert in Europa. Wir studieren, um feiern zu gehen und das Leben zu genießen und dann jammern wir über die Prüfungszeit. Aber vielleicht sollten wir hin und wieder – nur mal kurz – innehalten und uns klar machen, welch einen riesigen Luxus wir geraden erleben. Nämlich den, alles lernen zu können, was wir wollen. Umsonst. 

Bildquellen: hngn.com, afrikareporter.com

Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Journalistin, arbeitet aber momentan im Projektmanagement und bloggt hier über ihre Auswanderer-Erlebnisse in Südafrika. Bevorzugt hält sie sich irgendwo in direkter Nähe zum Meer auf.
Kathi Daniela


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