Wie ist es eigentlich so, ein Ausländer zu sein?

Wie ist es eigentlich so, ein Ausländer zu sein?

Es gibt Wochen, die lassen einen ein wenig den Glauben an die Menschheit verlieren. Das war so eine Woche.

Die Amerikaner haben Donald Trump zum Präsidenten gewählt. Mir wurde das Handy durchs gekippte Fenster gestohlen, während ich daneben seelenruhig geschlafen haben. Eine Freundin wurde um 12.000 Rand betrogen und zu allem Überfluss leide ich unter einer Entzündung des Gleichgewichtsnervs, was sich ungefähr so anfühlt, wie hackedicht zu sein, nur ohne das gute, entspannte Gefühl des Alkohols.

Manchmal frage ich mich, was los ist mir der Welt, in der wir leben. Sind die Menschen nur ignorant und selbstsüchtig – oder sind manche Menschen wirklich bösartig?

Niemals hätte ich geglaubt, dass irgendjemand mit sexistischen, xenophobischen und faschistischen Aussprüchen eine Wahl gewinnen kann. Und was mich noch mehr schockiert als die Tatsache, dass es möglich ist, ist, dass so viele Menschen tief im Inneren diesen Aussprüchen zustimmen müssen. Dass sie fremdenfeindlicher sind, als sie zugeben. Dass sie Angst haben vor »den Muslimen« oder »den Ausländern«.
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Ich bin selbst Ausländer in einem Land, dass sich Regenbogennation lobt.

Und dabei selbst überhaupt keine Ahnung hat, wo es mal hin will. Ein Land, in dem die Menschen so stolz darauf sind, den Rassismus überwunden zu haben und die Augen ganz fest zudrücken, wenn er ihnen trotzdem an jeder Straßenecke begegnet.

In den Worten unserer Nachbarin, die erleichtert ausruft »Endlich ziehen hier mal Weiße ein!« In den schwarzen Kellnern und ihrem weißen Supervisor. In den Gated Communities und den abgesperrten Wohngegenden. In der Benutzung von abschätzigen Wörtern wie »Kokosnuss« (eine Art Schimpfwort für Schwarze, die weiß erzogen wurden. Schon die Erklärung klingt genauso abstoßend). In den Studentenprotesten. In den Bettlern auf den Straßen und sogar in meinem Kopf, wenn ich denke, dass es wohl irgend so ein Coloured-Typ war, der mein Handy gestohlen hat.

Und dann schäme ich mich ein bisschen, dass ich solche Gedanken habe.

Wo ich doch selbst in einem muslimischen Stadtviertel lebe, mich in einem internatioalen Freundeskreis bewege und Ausländerin bin in diesem Land.

Und auch, wenn ich es nicht wahrhaben will, bin ich als Ausländerin mit meiner hellen Haut und meinem deutschen Pass trotzdem noch besser gestellt als so viele der Menschen, die mit mir in dieser Stadt leben. Ich habe eine Ausbildung genossen, die sich mit kaum einer auf der Welt messen lassen kann. Ich habe ein Land in meinem Rücken, das seine Bürger unterstützt wie kaum ein zweites auf der Welt – und ich bin weiß.

Und auch, wenn ich mir wünsche, dass es anders wäre, kann im Grunde genommen niemand etwas dafür. Ich nicht, die einfach Glück hatte, in Nürnberg geboren zu werden statt in Nairobi. Und auch nicht der Typ, der mein Handy geklaut hat und genauso gut in Köln hätte geboren werden können, statt in Kapstadt.

Keiner von uns kann etwas dafür – aber nicht darüber zu reflektieren, was geschieht und was man denkt – dafür kann jeder von uns schuldig gemacht werden.

Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Freelance Journalistin und Content Writerin, Travel Bloggerin. Sie hat ein Jahr als Expat in Südafrika gelebt - inzwischen wohnt sie in Prag und Nürnberg
Kathi Daniela


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