Kapstadt-Kolumne #7 — Not driving home for Christmas

Kapstadt-Kolumne #7 — Not driving home for Christmas

Morgen ist Weihnachten. Wenn ich aus dem Fenster schaue, könnte der Gedanke nicht absurder sein. Der Himmel ist tiefblau, diese Farbe, die der Himmel nur in Afrika hat. Meine Haut schält sich immer noch auf den Schultern und der Nase vom letzten Sonnenbrand und die Schokolade auf den Lebkuchen, die ich mir beim German Grocer gegönnt habe, schmilzt schon in der Vormittagssonne.

»Morgen skypen wir«,  hat meine Mama versprochen – und doch wird es nicht das Gleiche sein, wie mit meiner bunt zusammengewürfelten Familie am Tisch zu sitzen und Kartoffelsalat und Wiener Würstchen aus der Küche meiner Oma und Frühlingsrollen und Papaya-Salat von meiner Tante zu essen. Ich werde nicht danach mit meinem Onkel selbstgemachten Glühwein um die Wette trinken und mein Bruder und ich werden nicht meine Mama und ihren Bruder zu einem Canasta-Duell unter Geschwistern herausfordern. Ich werde mich nicht sträuben, wenn meine Oma mich zwingt, Stille Nacht, heilige Nacht zu singen und ich werde nicht am Morgen des 25ten aufwachen und diesen wunderbaren, leeren Tag vor mir haben, an dem ich nichts tun muss, außer Lachs mit Rührei zu frühstücken, zu lesen und Plätzchen zu essen. Mein Herz tut ein bisschen weh bei dem Gedanken daran, weil ich in diesen unsicheren Tagen die Feiertage gerne bei meiner Familie verbringen würde.

Doch dann trete ich hinaus in die südafrikanische Sonne und die Schokolade der  Lebkuchen hinterlässt einen klebrigen Film an meinen Fingern. Ich schließe die Augen, halte meine sich schälende Nase in die strahlende Sommersonne und wieder einmal wird mir bewusst, was für ein Glück ich habe. Ich werde keinen Glühwein trinken, sondern ein eisgekühltes Savanna. Ich werde am Strand zu 24k von Bruno Mars tanzen und der Teig für die Pfannkuchen zum Frühstück wartet nur darauf, in die Pfanne gegossen zu werden.

Und vielleicht, überlege ich, wird dieses Weihnachten noch viel mehr der Abschluss des Jahres sein, den ich mir immer erhofft habe. Diese Ruhe, Besinnlichkeit und das Klären der Gedanken, das manchmal im Feiertagstrubel fast untergeht – das kann mir hier, in der Ruhe und unter der afrikanischen Sonne, keiner nehmen.

Und noch während ich überlege, kommt der Mensch, den ich liebe, die Treppe nach oben, vom Flugzeug zerknittert, den Koffer in der Hand und ich weiß: Ich werde nicht bei meiner Familie sein, doch ich werde Weihnachten trotzdem mit einem Menschen verbringen, den ich liebe und der mich liebt. Und das ist schlussendlich an diesem Tag alles, was wichtig ist.

Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Journalistin, arbeitet aber momentan im Projektmanagement und bloggt hier über ihre Auswanderer-Erlebnisse in Südafrika. Bevorzugt hält sie sich irgendwo in direkter Nähe zum Meer auf.
Kathi Daniela


6 thoughts on “Kapstadt-Kolumne #7 — Not driving home for Christmas”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*