Sechs Tipps zum Einleben für neue Auswanderer

Sechs Tipps zum Einleben für neue Auswanderer

Ich bekomme sehr oft die Frage gestellt, welche Tipps zum Einleben für neue Auswander ich denn habe, jetzt, wo ich selbst im Ausland lebe. »Und, was hast du in diesem halben Jahr im Ausland schon gelernt?«, wollen sie wissen. Ich bin lange kein Experte darin, was die beste Möglichkeit ist, sich an ein neues Land und ein neues Leben zu gewöhnen. Ich stecke selbst noch mitten drin in diesem Abenteuer.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb war ich um jeden Tipp dankbar, der mir die ersten Fußtritte in diesem neuen Lebensabschnitt leichter gemacht hat. All die Dinge, die ich euch gerne als Tipps mit auf den eigenen Auswander-Weg geben möchte, haben für mich so prima funktioniert. Vielleicht helfen sie ja auch dem ein oder anderen weiter, sich schneller in der neuen Umgebung heimisch zu fühlen.
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Sechs Tipps zum Einleben für neue Auswanderer
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Zum Ja-Sager werden

Ich will gleich meinen wichtigsten Vorsatz als erstes loswerden. Bevor ich in Kapstadt gelandet bin, hab ich mir nämlich vorgenommen, in den ersten zwei Monaten einfach zu allem Ja zu sagen. Na ja, zu fast allem. Eine Wanderung auf den Tafelberg? Na klar! Silent Disco? Auf jeden Fall! Hot Yoga? Warum nicht! Ein Open-Design-Event über selbstrecycelnde Städte? Kann ja spannend werden! Ich habe versucht, keine einzige Veranstaltung auszulassen – obwohl letzteres Event zum Gähnen war. Denn jeder Abend außerhalb der Wohnung bringt die Möglichkeit, neue Leute kennen zu lernen. Und soziale Kontakte sind das beste Auffangnetz, wenn die Schattenseiten des Auswanderer-Lebens sich melden.
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Akzeptieren, dass Heimweh okay ist

Neulich hat es mich ganz unerwartet gepackt. Wir waren mit Freunden wandern und grillen, ein wunderschöner Abend. Und auf einmal starre ich ins Feuer und mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke, wie meine Uni-Freunde und ich uns in Nürnberg auf den Pegnitzwiesen direkt am Fluss getroffen haben, einen kleinen Tischgrill im Gepräck, Couscous-Salat in Tupperdosen und Wein aus Pappbechern.

Heimweh ist okay. Und ein ganz normaler Prozess, völlig egal, wie glücklich du im neuen Zuhause bist. Eine perfekte Lösung, mit Heimweh umzugehen, habe ich nicht. Aber ich fahre einfach an meinen Lieblungsort hier in Kapstadt, schaue auf die Wellen und erinnere mich daran, warum ich her gekommen bin. Und genauso schnell, wie es gekommen ist, verschwindet das Heimweh auch wieder.
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Kein schlechtes Gewissen haben

Hierüber habe ich auch schon mit Freunden gesprochen, die ebenfalls aus ihrem Heimatland fortgegangen sind, um in Kapstadt zu leben. Jeder von uns kennt das Schuldgefühl, die eigene Familie und die Freunde verlassen – oder sogar im Stich gelassen – zu haben. Das Gefühl, die wichtigen Momente daheim zu verpassen, Geburtstage, Verlobungen oder Feiern, ist kein schönes. Und spätestens als meine Freundin am Telefon nach ihrer Trennung geweint hat, habe ich mich furchtbar gefühlt.

Trotzdem denke ich immer an eines: Es ist mein Leben und ich habe meine eigene Entscheidung dafür getroffen. Ich gebe mein bestes, den Menschen, die ich liebe, auch über die Entfernung nah zu sein. Doch ich gebe auch mein bestes, meine Ziele zu erreichen. Und beides ist in Ordnung.

Auswanderer Einleben Tipps

Sich auf neue Freundschaften einlassen

Sobald hier in Kapstadt irgendetwas passiert, dass mich aufwühlt, würde ich am liebsten am Telefon hängen und meine alten Freunde zuhause anrufen. Der Gedanke, sich mit Skype stundenlang in mein Zimmer zu vergraben, ist verführerisch. Und macht es viel schwieriger, neue Freunde kennen zu lernen!

Auszuwandern hat auch immer mit Abenteuer zu tun. Mit neuen Erfahrungen und neuen Freundschaften – und es ist einfach, Menschen kennen zu lernen, die gute Freunde werden können. Fast überall gibt es eine Expat-Community, es gibt Mitbewohner und Arbeitskollegen und Menschen im Tanzverein oder Gym. Einige davon sind sicherlich auf der gleichen Wellenlänge und haben das Potenzial gute Freunde zu werden – wenn man sie in sein Leben lässt!
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Akzeptieren, Ausländer zu sein

Irgendwo ein Ausländer zu sein, war ein sehr ungewohntes Gefühl für mich. Nach wenigen Wochen haben die ewigen Fragen nach meiner Herkunft nur noch genervt und ich wollte nicht ständig als die Ausländerin oder die Deutsche dastehen. Aber ganz ehrlich: deswegen genervt zu sein bringt gar nichts.

Das einzige, was hilft, ist Geduld – und, den Fakt zu akzeptieren, dass ich nun mal eine Ausländerin bin. Denn schlussendlich zeugen die ganzen Fragen nur von Neugierde. Jeder Einheimische versteht außerdem viel eher, wenn ich mit kulturellen Dingen einmal meine Schwierigkeiten habe oder sprachtechnisch auf dem Schlauch stehe. Und zu guter letzt musste ich mir einfach einer Sache bewusst werden: Sich einzuleben und einzugewöhnen, das passiert nicht von heute auf morgen. Doch wenn man sich diese Zeit nimmt, wird man nach einer Weile gar nicht mehr so sehr aus dem Rahmen fallen.

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So viel entdecken wie möglich

Im Alltag geht schnell der Zauber verloren, den ein Ort einmal innehatte. Dabei hat genau der einen vielleicht dazu bewogen hat, den Sprung ins Auswanderer-Leben zu wagen. Das ist einfach schade, denn schließlich hat es Monate voll Schweiß und Tränen und bangem Warten gekostet, diesen Traum vom neuen Zuhause war zu machen. Da wäre es einfach nur Zeitverschwendung, der gleichen Routine nachzugehen, wie immer schon.

Hier in Kapstadt gibt es keinen Tag, an dem ich mich nicht für wenigstens fünf Minuten fühle, als würde ich in einem Urlaubsparadies leben – und es gibt kein schöneres Gefühl, als das, sein neues Zuhause wirklich wertzuschätzen.
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Und jetzt an euch, ihr fellow expats da draußen:
Welchen Tipp würdet
ihr neuen Auswanderern geben?

Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Journalistin, arbeitet aber momentan im Projektmanagement und bloggt hier über ihre Auswanderer-Erlebnisse in Südafrika. Bevorzugt hält sie sich irgendwo in direkter Nähe zum Meer auf.
Kathi Daniela


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