5 Fragen an 5 Auswanderer: Jana in der Schweiz

5 Fragen an 5 Auswanderer: Jana in der Schweiz

Ich freu mich wie ein Schnitzel! Nachdem meine Serie „5 Fragen an 5 Auswanderer“ leider ein bisschen eingeschlafen ist, hab ich gute Neuigkeiten: 1. Es geht weiter mit den Fragen! Und 2. Es wird sogar mehr als 5 Auswanderer geben, die von ihrem Alltag berichten! Maria hat aus England berichtet, Dave aus Down Under und Paul aus Chile.

Heute bleiben wir mal auf dem europäischen Kontinent. Jana von zuFussunterwegs lebt in der Schweiz und erzählt, wie es so ist, in dem Alpenstaat zu leben.


Hey Jana, stell dich doch meinen Lesern mal kurz vor.

Mein Name ist Jana, ich bin zuFüssler und LangsamMacher und schreibe auf meinem Blog zuFussunterwegs über die Wiederentdeckung der Langsamkeit – auf Reisen, in der Natur, beim Wandern und im Alltag.

Geboren bin ich im thüringischen Eisenach, bin Generation X, liebe die Natur und die Berge, kann bei Schokolade nicht nein sagen, finde Entspannung beim Lesens und beim Snooker und lebe seit Herbst 2007 in der Schweiz, im wunderbaren Zürich.  Aus Liebe zu meinen Bergen bin ich damals in die Schweiz gezogen. Ein Schritt, den ich niemals bereut habe.

Was hast du am meisten vermisst?

Die Thüringer Wurst! Ich meine nicht nur die berühmte Thüringer Rostbratwurst, die wir Thüringer am liebsten mit Senf essen, sondern auch die Wurstwaren, die man beim Frühstück aufs Brötchen legt. Und das Gehacktes, welches ich so köstlich zu Hackklösschen zubereiten kann.

Natürlich vermisse ich auch Familie und Freunde, die alle mindestens vier Reisestunden entfernt wohnen. Man sieht sich nun halt weniger oft im Jahr. Man lässt doch aber immer irgendjemanden zurück, wenn man seinen Lebensmittelpunkt woanders aufbaut. Das tut auch manchmal weh, aber es ist nun mal so.

Ansonsten vermisse ich eigentlich nichts. Obwohl die Schweiz ein anderes Land ist mit seiner eigenen Kultur, gibt es doch für das alltägliche Leben viele Gemeinsamkeiten.
.

Was hast du gelernt?

Zuallererst einen neuen Dialekt, fast eine neue Sprache. Schwiizertüütsch, also Schweizerdeutsch, ist für einen Thüringer, trotz der gemeinsamen Sprachbasis Deutsch, nämlich nicht so ohne weiteres zu verstehen. Verstehen ist mittlerweile natürlich kein Problem mehr. Mit dem Sprechen dagegen tue ich mich auch noch heute schwer, wiewohl ich mit der Zeit immer mehr Dialektworte aus dem Schweizerdeutschen in meinen Sprachgebrauch übernommen habe – sie dabei aber weiterhin hochdeutsch ausspreche. Beispiele sind Parkieren, übersiedeln, rapportieren oder Coiffeur.

Ich habe gelernt, dass die Schweiz und Deutschland, trotz der gemeinsamen Sprache, komplett unterschiedliche Länder sind. Etwas, dass gerne oftmals übersehen wird oder schwerfällt, in seinen Feinheiten zu akzeptieren. Das Leben in der Schweiz ist ein anderes. Für mich wesentlich entspannter. Und mehr Miteinander.

Durch die vier Landessprachen empfinde ich das Leben in der Schweiz auch als kulturell diversifizierter. Wenn ich am Wochenende zum Wandern in die so wunderschöne italienische Schweiz fahre, dann kommt mir das vor, wie ein Kurzurlaub. Nur schon der Sprache wegen. Die Schweizer, die dort leben, ticken auch anders, als die, die im deutschsprachigen Teil leben oder in der französischen Schweiz. Die sprachliche Vielfalt in so einem räumlich kleinen Land ist schon erstaunlich.

Für mich habe ich gelernt, dass mir die schweizerische Mentalität mit dem ruhigen Wesen sehr liegt. Ich finde es auch angenehm zu wissen, dass die Dinge ihren geregelten Gang gehen und die Menschen die “schweizerische Perfektion” zu schätzen wissen – und nicht immer versucht sind, Grenzen im Zusammenleben auszutesten.
:

Was hättest du gerne vorher gewusst?

Da fällt mir nichts ein. Ich neige ohnehin nicht zu einer detaillierten Vorbereitung bei solchen Aktionen und ich lese auch nicht gerne Paragraphen oder Merkblätter, was alles zu beachten ist. Glücklicherweise bin ich damit noch nie, toi toi toi, böse auf die Nase gefallen. Schlechte Überraschungen sind somit ausgeblieben.

Wenn ich gewusst hätte, wie gut es mir gefallen wird, wäre ich gerne noch früher in die Schweiz gezogen. Das hätte ich gerne vorher gewusst 😉 …
:

Wie hast du Locals kennen gelernt?

Nach meinem Wechsel in die Schweiz habe ich in einem Unternehmen gearbeitet, was sich, damals, ausschliesslich auf den Schweizer Markt konzentriert hat. Auch deshalb haben viele Schweizer dort gearbeitet, was mir das Kennenlernen und den Umgang mit den Einheimischen stark vereinfacht hat. So bin ich schnell in Kontakt gekommen, auch nach der Arbeit und am Wochenende.

Darüberhinaus habe ich mich gleich in den ersten Wochen nach meinem Umzug beim Schweizer Alpen Club (SAC) als Tourenleiter Bergwandern gemeldet. Immerhin bin ich ja ursprünglich der Berge wegen überhaupt ins Land gekommen. Durch meine Wandertouren, die ich anbiete, habe ich ebenfalls viele Schweizer kennengelernt. Einige von ihnen sind noch heute bei jeder Wanderung dabei!

Durch meine vielen Wanderungen, vor allem im Tessin, habe ich auch der Region Einheimische getroffen, zu denen sich ein fester Kontakt aufgebaut hat.

Zürich selbst ist eine sehr internationale Stadt. Man kann Ausländern fast nicht nicht begegnen. Die Mischung aus Einheimischen und Expats macht mir sehr viel Spass!

Warum würdest du es wieder tun?

Nicht wieder tun, wäre absolut keine Option. Ich würde es immer wieder tun, weil ich in der Schweiz glücklich bin. Ich habe einen Ort gefunden, an dem ich mich rundum wohl fühle. Wo meine Mentalität hinpasst. Wo ich meinem Hobby frönen kann. Wo ich, im Moment zumindest, mir nicht vorstellen kann, diesen wieder zu verlassen. Hopp Schwiiz!


Jana Wessendorf von zuFussunterwegs ist Naturliebhaber, Wandermensch und ein kleiner Schokoladenfan. Nach einigen Jahren Dauerlauf im Karriere-Hamsterrad ist sie nun zu Fuss unterwegs. Jana ist ganz bewusst ein LangsamMacher und setzt sich als zuFüssler erfolgreich für die Wiederentdeckung der Langsamkeit ein: im Alltag, in der Natur, beim Wandern und auf Reisen. Sie führt Dich ein in die Kunst, zu Fuss unterwegs zu sein. Etwas, dass Freude, Ekstase und manchmal auch ein bisschen Rebellion sein kann. Etwas, dass zur Glückssache wird. Schaut doch mal bei ihr rein!

Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Journalistin, arbeitet aber momentan im Projektmanagement und bloggt hier über ihre Auswanderer-Erlebnisse in Südafrika. Bevorzugt hält sie sich irgendwo in direkter Nähe zum Meer auf.
Kathi Daniela


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen