The Prague Diaries #1 — Meanwhile in Prague

The Prague Diaries #1 — Meanwhile in Prague

Es ist Donnerstag, 17.30 Uhr. Wir sitzen mit einem Staropramen, das wir für läppische 30 Kronen erstanden haben am Ufer der Vltava. Während ich einen tiefen Schluck Bier nehme, schiebt sich ein Touristenboot in mein Sichtfeld, zwischen uns und die Karlsbrücke. Ich kann regelrecht das Knipsen der Kameras hören, bevor der Kutter wieder abdreht und den Blick auf die Brücke freigibt, schwarz vor Menschen. Vor uns auf dem Fluss tummeln sich Tretboote in bunten Farben und Formen. Ich bin mir sicher, jeder versucht, den Schwan zu bekommen. Die Bäume rauschen leise über uns und zum allerersten Mal fühle ich mich in Prag ganz entspannt – und angekommen.
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Prag hat mich überwältigt.

Oder sollte  ich eher sagen: Überfallen!? Mit Menschenmengen, grimmigen Gesichtern, Nieselregen, Straßenregeln, Kälte, unlesbaren Werbeplakaten. Kurz gesagt: Mit alldem, was Kapstadt nicht ist. Und die ersten 72 Stunden habe ich es gehasst. Die langen Rolltreppen in der U-Bahn, die Menschen, die mich über den Staroměstské námesti getrieben haben und überhaupt diese exotischen Namen wie Staroměstské námesti, Křižíkova oder Zličín.

Unsere Wohnung war noch nicht fertig. Die Freunde meines Freundes, bei denen wir unterkamen die liebsten Menschen, aber eben seine Freunde und nicht meine. Der neue Job eine herbe Enttäuschung. Nach drei Tagen war ich bereit, meine Koffer zu packen und Prag den Rücken zu kehren.  Goldene Stadt, Bier das billiger ist als Wasser und wunderschöne Jugendstilgebäude hin oder her.

Und dann kam Pfingsten.

Und mit diesen zwei freien Tagen zum ersten Mal eine Gelegenheit zwischen all diesen Behördengängen, Schulungen und IKEA-Besuchen tatsächlich mal Prag zu sehen. Das Plätschern der Vlatva zu hören. Den Touristenmassen in ein kleines Gässchen auszuweichen. Und sich dort zu verlaufen, nur um in eine zweite, noch viel zauberhaftere Gasse zu stolpern.

An Pfingsten hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass ich den ganzen Tag durch Prag laufen könnte, wenn meine Füße nicht müde werden würden. Ich könnte die stylischen Prager bewundern, ein Bier in jedem der Biergarten-Boote auf dem Fluss trinken, all die wahren goldenen Gässchen der Stadt entdecken. Zum ersten Mal hatte ich an Pfingsten den Wunsch, die Stadt nicht nur als schön, aber fremd zu empfinden – sondern auch als Zuhause.

Denn um ehrlich zu sein, habe ich Prag nicht so viele Chancen gegeben, wie es verdient hat, seit ich hier bin. Es ist hart, mit Kapstadt zu konkurrieren. Ich habe geflucht, weil ich mich ständig verlaufen habe, weil ich zu spät komme und weil mein Zeitgefühl doch afrikanischer geworden ist, als ich angenommen habe. Ich habe nicht fassen können, wie unfreundlich Menschen in Restaurants und Geschäften sein können. Aber gleichzeitig habe ich mich gefreut. Über gutes Brot, über zuverlässigen öffentlichen Nahverkehr, über DM und über die Nähe zu meiner alten Heimat.

Prag ist nicht nur wunderschön, Prag hat auch Heimatpotenzial.

Und deswegen hat Prag definitiv diese Chance verdient.

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An welchem Ort habt ihr euch nicht auf Anhieb wohlgefühlt?
Nur raus damit, hier darf heute alles gesagt werden!

Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Freelance Journalistin und Content Writerin, Travel Bloggerin. Sie hat ein Jahr als Expat in Südafrika gelebt - inzwischen wohnt sie in Prag und Nürnberg
Kathi Daniela

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4 thoughts on “The Prague Diaries #1 — Meanwhile in Prague”

  • Berlin, egal wie oft ich schon da war. Ich hasse diese Stadt. Und ich hasse die Menschen da. Und diese furchtbare Berliner-Schnauze. Und ich hasse die Stadt dafür, dass sie meine Freunde verkorkst, die meinten, sie müssen unbedingt da hin ziehen! :-/

    • Berliner… mit denen kann ich auch gar nix anfangen. Mit Berlin selber hab ich inzwischen etwas Frieden geschlossen. Aber was das verkorksen betrifft: I know exactly what you mean…!! Das passiert glaube ich in den Hipster-Hochburgen, die stylisch tun, aber im Grunde ihres Herzens sehr spießig sind…

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