Wien — eine unterschätzte Schönheit

Wien — eine unterschätzte Schönheit

Ich bin verliebt! Ja ehrlich, ich sitze im Bus zurück nach Prag und der Abschiedsschmerz ist real. Das bittersüßse Gefühl, einen Flirt hinter sich zu lassen, aus dem vielleicht hätte mehr werden können. Ich sinke tiefer in den Flixbus-Sitz und scrolle durch die Fotos des Wochenendes. Sehe ich nicht glücklich aus? Passen wir nicht eigentlich fabelhaft zusammen? Hach, wir könnten doch wirklich eine gemeinsame Zukunft haben, oder nicht?

Keine Sorge, die Rede ist nicht von einem Mann, nachdem ich erst vor zweineinhalb Monaten mit einem um den Globus gezogen bin, sondern von Wien! Die österreichische Hauptstadt und gleichzeitig zweitgrößte deutschsprachige Stadt hat es mir schwer angetan. So schlimm hat es mich bei einem Städtetrip selten erwischt. Ich bin aus dem Anhimmeln gar nicht mehr rausgekommen – für ganze drei Tage! Und schon jeetzt steht fest: Ab heute brauche ich meinen regelmäßigen Wien-Fix- eine Wiederholung gibt es ganz sicher noch in diesem Jahr!


Aber warum ist Wien eigentlich so super?

Wien ist eigentlich ziemlich altmodisch. Und sehr stolz drauf. Hier werden Traditionen hochgehalten, so wie eine Fiakerfahrt oder ein Brauner zu einem Stück Sachertorte. Und die Wiener sind so ziemlich das gechillteste deutschsprachige Völkchen, das ich kenne. Alles in allem ist es also eine große Stadt, die aber irgendwie auf dem Boden geblieben ist.

Ich glaube, es ist diese Mischung zwischen Neu und Alt. Prachtbauten im Jugendstil neben modernen Bars am Donaukanal. Die Straßen alle breit und sauber, die Geschichte und die Vergangenheit lebendig. Wien mag es halt, das Leben zu feiern, wenn auch mit weniger Tamtam als andere Städte – und warum auch, Wien braucht gar nicht anzugeben. Die Stadt weiß, was sie hat!


Echt österreichisch essen: Die Knödel Manufaktur

Unterkünftsmäßig kann ich euch leider keine Tipps geben, da wir bei einem Freund meines Freundes untergekommen sind. Wien war für mich also nicht nur große Liebe für eine deutschsprachige Stadt, sondern auch mal wieder ein astreiner Bosnisch-Kurs 😉 Gleich am ersten Abend unseres Besuchs waren wir bei der Eröffnung der Knödel Manufaktur in der Josefstädterstraße im 8. Bezirk. Ach ja, habe ich erwähnt, dass Wien in Bezirke aufgeteilt ist? So wie Paris in Arrondissements, was einfach super fancy und weltgewandt klingt. Aber zurück zum Essen. Ihr wisst, dass die Österreicher Knödel in allen Varianten lieben? In der Suppe, salzig, fleischig, herzhaft oder süß. All das bietet die Knödel Manufaktur an.

Und ich kann euch versprechen: Diese süßen Dinger sind jede Sünde wert! Wir hatten einen mit Topfen (Quark) und Himbeeren. Dazu selbstgemachte Rosen-Limonade. Ich war echt im Zuckerhimmel! Und nein, das ist keine Werbung. Ich will wirklich jedem, der nach Wien kommt, einen Besuch in der Knödel Manufaktur empfehlen. Einfach weil es so lecker ist. Ich mein, schaut euch dieses hübsche Ding mal an!

Knödel essen bei bei

Knödel Manufaktur Wien
Josefstädterstraße 89, 1080 Wien
Geöffnet: 11.00  – 22.00 Uhr





Mit dem Rad in Wien unterwegs

Gut vollgefuttert mit wunderbarer Mehlspeis ging es also am Freitag nicht mehr viel weiter als ins Bett. Dafür begrüßte uns am Samstag die Sonne gleich vom Aufstehen. Obwohl wir erstmal verschlafen in die Runde blinzelten, waren die fabelhaften 30 Grad draußen vor der Tür natürlich ein richtiger Ansporn nach einem Kaffee direkt loszuradeln. Ja, zu radeln!

Nachdem wir uns ausgerechnet hatten, was uns die öffentlichen Verkehrsmitteln in Wien kosten würden und nachdem das Wetter einfach zu schön war, um in der U-Bahn zu sitzen, registrierten wir uns online bei Citybike Wien. Generell ist zwar die Innenstadt von Wien nicht so groß und man stolpert eigentlich so oder so zwangsläufig über alle Sehenswürdigkeiten wie den Stephansdom, die Hofburg und das Museumsquartier. Der Prater und Schönbrunn sind allerdings etwas weiter außerhalb und nur duch einen strammen Marsch zu erreichen.

Kostenlos unterwegs mit Citybike Wien

Die Anmeldung bei Citybike Wien was super easy: Online Namen eingeben, Passwort aussuchen und angeben, mit welcher Art von Kreditkarte ihr bezahlt. Dann kann es auch schon losgehen. An der nächsten Station könnt ihr euren Account und eure Kreditkarte aktivieren und dann könnt ihr einfac von überall Räder ausleihen, indem ihr einfach die Kreditkarte einsteckt und euer Passwort angebt.

Die erste Stunde unterwegs mit euren Citybike ist jedes Mal gratis, die zweite Stunde kostet einen Euro. Und länger am Stück haben wir das Radl eigentlich auch nie gbraucht. Das ganze Wochenende in Wien hat mich an öffentlichen Verkehrsmitteln als nur das Ticket vom und zum Flixbus sowie 4 Euro Fahrradgebühren gekostet. Kann sich sehen lassen, oder?

Gerade bei Sehenswürdigkeiten wie dem Stephansdom oder Schloss Schönbrunn hatten wir manchmal das Problem, dass die Station schon voll war und wir unser Rad nicht abgeben konnten. Das konnten wir aber per App ganz leicht checken und glücklicherweise ist bei mehr als 120 Stationen überall in der Stadt die nächste auch nie weit! Blöd ist natürlich nur, wenn die zwei Sommergewitter des Wochenendes genau dann ihren Starkregen loslassen, wenn man gerade zum Prater und nach Schönbrunn unterwegs ist – auf dem Rad…

Wien Citybike


Entspanntes Sightseeing in Wien

Wir haben uns ehrlich gesagt keinen Druck gemacht, sämtliche Sehenswürdigkeiten der Stadt abzuklappern. Das liegt aber auch daran, dass mein Freund fast zwei Jahre in Wien gelebt hat und mir einfach ein paar Ecken abseits der Touristenpfade zeigen konnte und wollte. Für First-Timer würde ich definitiv den Vienna-Pass empfehlen. Wir haben uns das Konzept ganz genau erklären lassen und ich glaube, wenn ihr alles mal sehen wollt, ist es ideal. Eine tolle Einschätzung dazu gibt es bei Hostel Max.

Auf in die Innenstadt

Wir haben uns stattdessen einfach treiben lassen – oder sind eben in die Pedale getreten. Schloss Schönbrunn mit seinem großen Garten war natürlich einer meiner Favoriten. Aber auch den Stephansplatz mit dem Dom solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Und esst bei schönem Wetter unbedingt ein Eis in der Eisdiele Zanoni & Zanoni. Probiert am besten die Hausspezialität: Topfen. Es ist so gut!

Ein Eis genießen bei

Zanoni & Zanoni
Lugeck 7, 1010 Wien
Geöffnet: 7.00 – 0.00 Uhr


Abgesehen von den üblichen Sehenswürdigkeiten wie der Hofburg oder  dem Stephansdom hat mir vor allem das Museumsquartier gut gefallen. Alt und Neu vereinen sich dort zu einer interessanten Mischung. Auf der einen Straßenseite das altehrwürdige Naturkundemuseum, auf der anderen Seite das Museum der modernen Kunst, vor dem junge Leute sich zum vorglühen treffen.

Danach geht es weiter, an der Hofburg vorbei durch den Volksgarten zum Rathaus der Stadt Wien. Alles ist über die Wiener Ringstraße mit dem Fahrrad innerhalb von wenigen Minuten zu erreichen. Ich liebe es, so flexibel beim Reisen zu sein und einfach immer dann anhalten zu können, wenn ich Lust drauf habe.


 

Schloss Schönbrunn

Nach einem Spaziergang durch die Innenstadt war es Zeit für einen etwas größeren Ausflug: Schloss Schönbrunn ist ganz wunderbar mit dem Rad zu erreichen. Vom Stephansplatz, wo ihr euch auch direkt Fahrräder schnappen könnt, geht es durch die Mariahilferstraße und dann langsam raus in Grüne und zum Schloss. Die ganze Fahrt dauert so ungefähr 30 Minuten. Aber keine Sorge: Es geht nicht bergauf und Wien ist eine total fahrradfreundliche Stadt mit jeder Menge Radwegen.

Leider machte uns das Wetter in Schönbrunn einen kleinen Strich durch die Rechnung und während ihr auf den Bildern noch strahlenden Sonnenschein seht, ging kurz danach spichtwörtlich die Welt unter: Ein zweistündiger Gewittersturm verbannte uns nach drinnen. Das lässt sich aber auch verschmerzen, wenn man in einer Gegend unterwegs ist, in der es genug Cafés gibt, um die Regenwolken abzuwarten.

Kaffee trinken bei

Ein Affe
Schwendergasse 19, 1150 Wien
Geöffnet: 17.00 – 0.00 Uhr


Den Abend am Donaukanal ausklingen lassen

Nichts ist schöner, als am Wasser zu wohnen. Das Meer ist Luxus, ein See oder ein Fluss tun es aber auch. Hauptsache, am Wasser sitzen, die Wellen gluckern hören und die Füße in kaltes Nass halten. Das macht eigentlich jeden Moment sofort nochmal besser. In Wien geht das ganz wunderbar auf der Donauinsel. Am Donaukanal gibt es unzählige coole Beach Bars, die Wiener treffen sich hier auf ein gemütliches Bier oder bringen einfach selbst Getränke mit, sitzen im Gras und lassen die Beine ins Wasser baumeln.

Am Prater, ganz in der Nähe des Donaukanals, gibt es auch eine Billa, die bis abends um 10 Uhr geöffnet ist. Das heißt, ihr könnt euch direkt auf dem Weg zur Donauinsel mit Getränken und Snacks versorgen. Von der Donauinsel geht es per U-Bahn zum Schwedenplatz, wo die Party nach Drinks im Grünen weitergehen kann.

Die Donauinsel ist ganz einfach zu erreichen: Nur bei der gleichnamigen U-Bahn-Station aussteigen, dann seid ihr schon direkt drauf. 


Am Sonntag taten wir nichts weiter, als Wien noch einmal zu genießen. Einen Döner am Westbahnhof, eine Fahrt zum Prater (es gibt keine Fotos, wweil prompt hier das zweite Gewitter gekommen ist) und jede Menge Fotos. Denn obwohl mich normalerweise ein archtektonisch wertvolles Gebäude nicht umhaut, bin ich in Wien aus dem Staunen nicht herausgekommen. So viele Prachstraßen, so viel Platz, so viele schöne Gebäude.

Und gleichzeitig sind die Wiener so auf dem Boden geblieben. Sie achten auf die Umwelt, Wien ist sehr grün. Es wird wert gelegt auf Parks und auf Fahrradwege. Wien erscheint uns vielleicht nicht wie das coolste, hipste Ziel und sicherlich stinkt es ab gegen Bali oder Bolivien, wenn man es aus dem Blickwinkel eines Länder-Abklapperers betrachtet.

Doch für ein entspanntes Wochenende mit einem fast italienischen Flair, einer entspannten Atmosphäre und einer faszinierenden Geschichte – ist Wien absolut das richtige Ziel.

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Wart ihr schon mal in Wien?
Wenn ja, wie gefällt es euch?
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Foto Donaukanal: Ivan Z., Wikimedia Commons unter Lizenz CC BY-SA 3.0

Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Freelance Journalistin und Content Writerin, Travel Bloggerin. Sie hat ein Jahr als Expat in Südafrika gelebt - inzwischen wohnt sie in Prag und Nürnberg
Kathi Daniela


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