[Kapstadt-Kolumne] Grillen auf südafrikanisch

[Kapstadt-Kolumne] Grillen auf südafrikanisch

Südafrikaner sind ja in vielen Dingen verrückt. Als ein Freund neulich bei uns über Nacht blieb, haben wir seine Schuhe erst am Nachmittag unter der Couch entdeckt. Auf meine Frage, ob er sie denn nicht vermissen würde, antwortete er bloß: »Nein, ich hab doch noch drei Paar im Auto.« Weil sich das Wetter hier innerhalb eines Tages so schnell ändert, leben Südafrikaner irgendwie in ihrem Auto. Zumindest bewahren sie ihren Kleiderschrank dort auf.

Und wenn sie doch einmal keine Schuhe dabei haben, dann laufen sie auch gerne barfuß. Was ich am Anfang als Armut aufgefasst habe, hat sich hier vor allem unter den Hipstern durchgesetzt: Den Boden fühlen, auf dem ich wandle. Da man aber vor allem auf Zigarettenstummeln, Kaugummipapierchen und weggeworfenen Essensresten wandelt, frage ich mich, ob diese Verbindung tatsächlich so gefühlvoll ist.
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Wonach Südafrikaner allerdings wirklich verrückt sind, ist ihr Braai.

Eine ganze Etikette und Tradition rankt sich darum. Vorneweg sei auch gleich mal gesagt, dass das Braai nichts gemeinsam hat mit dem produktiv-effizienten deutschen Grillen. Grillanzünder, Kohlebriketts und ein schicker Grill? Fehlanzeige! Alles was hier gebraucht wird, ist etwas Holz und ein Rost – daraus lässt sich in jeder Lebenslage ein Braai zaubern. Denn eines beherrschen die Männer dieses Landes: Sie können Feuer machen! Und das ist kein sexistischer Satz, über den man nun diskturieren könnte, sondern einfach die Wahrheit.

Vielleicht liegt es daran, dass sie zu Zeiten des Loadshedding aufgewachsen sind (Stromausfälle), vielleicht an den wilden Tieren, die hier überall frei herumwandeln – aber die Südafrikaner haben starke Oberarme, sie haben Haare auf der Brust und sie können Frauen beschützen, den Grill anfeuern, betrunken Auto fahren und außerdem noch tanzen. Wer weiß, woher dieses wilde Erbe kommt … vielleicht liegt es einfach an Afrika. Jedenfalls, wo ein Feuer brennt, das der durchschnittliche deutsche Mann niemals so hinbekommen hätte, wird noch lange nicht gebraait.

Ganz im Gegenteil ist es sehr wahrscheinlich, dass das erste Stück Fleisch erst dann auf dem Grill liegt, wenn alle eingeladenen Gäste schon sturzbetrunken sind.

Überhaupt: Fleisch ist das Stichwort des Braai. Ich habe noch keines mit Gemüse oder Käse auf dem Rost beobachten dürfen. Side Salads? Werden natürlich von den Mädels mitgebracht – denn Grillen ist Männersache. Nach fünf bis acht Bier schart sich die hungrige Meute also meist um den Braai Master und sein Baby – den Grill. Jeder versucht, das erstbeste krossgebratene Stück abzugreifen – und die Side Salads bleiben am Ende übrig. Jedes Braai hat für mich bisher also mit einem Bier-Bauch, einem Übergenuss an Knoblauchbrot und Fleisch und einem Folge-Braai am kommenden Tag geendet, weil sowieso jeder viel zu viel mitbringt.

Und wie sich sicherlich jeder denken kann:

Niemals würde ich ein Braai freiwillig auslassen. Es sei denn, es regnet. Aber das ist in Südafrika glücklicherweise nicht allzu oft der Fall.

Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist Freelance Journalistin und Content Writerin, Travel Bloggerin. Sie hat ein Jahr als Expat in Südafrika gelebt - inzwischen wohnt sie in Prag und Nürnberg
Kathi Daniela


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