I am home, but where’s my heart?

by Kathi Daniela

Abenteuer erleben, fremde Kulturen aufsaugen und Notizzettel mit Worten in fremden Sprachen füllen, neue Menschen kennen lernen, sich verlieben… jeder will irgendwann mal weg, um die Welt zu entdecken. Und das Weggehen is ja auch relativ einfach – Urlaub nehmen, Flug buchen und weg… aber wie ist es mit dem Heimkommen?

Daheim ist erst einmal alles anders. Wenn ich nicht aufpasse, fahre ich versehentlich auf der linken Straßenseite und während ich mich im Englischen noch beschwert hab, dass mir ständig die richtigen Worte fehlen, fallen sie mir plötzlich auf Deutsch nicht mehr ein.

Und dann ist man natürlich auch der Exot, der Heimkehrer – mit spannenden Geschichten und einer beneidenswerten Bräune im Gepäck. Eine Woche werden Freunde und Bekannte besucht, Fotos ausgepackt und Geschichten erzählt. Doch der letzte Sand ist bald aus der Handtasche geschüttelt und die Anekdoten schmecken schal beim Erzählen, weil sie doch niemand so witzig findet, der eben nicht dabei war.

Und dann… kommt der Alltag zurück. Mit einem gewaltigen Knall.

Es wird gefragt: »Hast du deinen neuen Arbeitsvertrag schon unterschrieben?«, »Hast du eine Haftpflicht abgeschlossen?«, »Wie kommst du denn am Wochenende zu Oma Inges Geburtstagsfeier?« und: »Datest du grade jemanden?« Alles so banal.

Und frustrierend – weil ich in der alten Wohnung sitze und die gleichen Wege zur Arbeit fahre und die Freitagabende in den gleichen Bars verbringe. So, als hätte sich nicht das Geringste verändert. Am liebsten würde ich alle fragen, ob sie nicht merken, wie sehr ich mich verändert habe. Unter den neuen Klamotten und unter der Bräune sind auch die Gedanken anders, die Erfahrungen, die man gemacht hat, die neuen Träume und Dinge, die einem jetzt wichtig sind.

Und dabei vergesse ich schnell mal eines: Auch die anderen haben sich umso mehr verändert, je länger ich weg war. Beziehungen sind zerbrochen oder neue enstanden, Jobs wurden gewechselt, neue Wohnungen bezogen. Das Leben ging weiter – ohne mich.

Man fühlt sich nicht mehr wirklich zugehörig. Fehl am Platz. Ich habe Geburtstagsfeiern verpasst. Und der besten Freundin keine Packung Ben & Jerry’s vorbei gebracht, als es ihr nach der Trennung so richtig dreckig ging. Natürlich sagt sie, dass es nicht schlimm ist… aber irgendwie ist es das doch. Ich bin verärgert. Ein bisschen verloren. So, als würde ich zwar wieder in Deutschland sein, aber immer noch eine fremde Sprache sprechen. Zu Hause, aber doch nicht mehr daheim.

Also buche ich die nächste Reise. Es heißt, wir haben Fernweh.

Aber in Wahrheit tut es nur zu sehr weh, nicht mehr da ankommen zu können, wo wir mal hingehört haben. Und deswegen wollen wir wieder fort – um selbst zu bestimmen, wo und wann wir uns verloren fühlen und wo wir ankommen.


Auf Arianes Blog Heldenwetter gibt es grade eine tolle Blogparade zu dem Thema, falls ihr mal dort vorbei hüpfen möchtet.

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9 comments

Bratwurstmadl Juni 21, 2015 - 11:38 pm

Grad hab ich ein bisschen Gänsehaut bekommen. Bis eben wusste ich es nicht so richtig zu definieren was es ist, wenn ich wieder in Nürnberg bin, aber dein Text trifft es wie die Faust auf's Auge.
Im Übrigen kannst du auch jederzeit mal gerne nach FFM fliehen. Nicht für ein Feierabendbier, aber wie sieht es aus mit einem Feierabendwochenende?

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LAVIE DEBOITE Juni 24, 2015 - 9:53 pm

Ach je das blutet einem ja echt irgendwie das Herz wenn man das liest! Ich war nie so lange weg, aber ich kanns mir unglaublich gut vorstellen!!! Das reisst einen erstmal in die Tiefe! Gerade weil einen so eine Reise ja auch prägt und vielleicht vieles im Denken und Sein verändert. Und so dumm es klingt, aber in der Zwischenzeit nehmen eben andre mal kurzzeitig den Platz ein und dann kommt man sich komisch vor, wenn man bei gewissen Themen nicht mitreden kann obwohl man über die Personen doch eigentlich alles weiß. Naja stell ich mir zumindest so vor.

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Kathi Juni 25, 2015 - 6:54 pm

Ja, du hast grade mit dem Letzten total Recht. Man war halt irgendwie nicht live mit dabei und dann ziehen auf einmal Leute zusammen oder haben neue Partner und man kriegt gar nicht mehr die „ganze Geschichte“ mit, weil die dann auch nicht noch mal haarklein erzählen, was alle anderen ja schon mitgekriegt haben und wie sich alles entwickelt hat. Dann muss man wirklich – so doof das klingt – neue gemeinsame Erinnerungen aufbauen. Seltsam, dass es aber nicht so ist, wenn man Freunde hat, die in Deutschland wild verteilt leben, sondern immer nur, wenn man wirklich im Ausland ist… vielleicht, weil man da nicht mal schnell anruft oder so? Keine Ahnung, aber es ist ein seltsames Jetlag-Gefühl…

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Ariane Juni 26, 2015 - 9:23 pm

Danke für diesen tollen Beitrag und für deine Teilnahme an der Parade! Ich finde deinen Text wirklich wunderschön, genau so ist das mit dem Heimkommen 🙂 Vor allem den letzten Absatz musste ich direkt mehrmals lesen, toll geschrieben!

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Kathi Juni 27, 2015 - 4:20 pm

Danke fürs mit Aufnehmen, Ariane! Freut mich wirklich sehr, dass dir mein Text gefallen hat 🙂

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Nimsaj Juni 27, 2015 - 5:22 pm

„Es heißt, wir haben Fernweh. Aber in Wahrheit tut es nur zu sehr weh, nicht mehr da ankommen zu können, wo wir mal hingehört haben. Und deswegen wollen wir wieder fort – um selbst zu bestimmen, wo und wann wir uns verloren fühlen und wo wir ankommen.“

das ist sooo toll geschrieben, respekt!!! wirklich toller Beitrag, werde da auch mitmachen nur leider bin ich nicht so begabt was das schreiben angeht… aber mal sehen! Danke auch für deinen Kommentar 🙂 ziemlich cool das du in Afrika warst! Leider geht bei mir das soundcloud ding aber nicht :/ und ja du hast recht, ist halt reggae angehaucht und somit auch afrikanisch/karibisch 😀

Liebe Grüße <3

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Kathi Juli 3, 2015 - 10:11 pm

Danke meine Liebe! Für mich gibt es keine schöneren Komplimente auls welche zu meinem Schreiben. Und dafür bewundere ich dein Gespür für Mode 🙂

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Mirjam Juli 5, 2015 - 8:40 pm

Wunderschön geschrieben Kathi!
Ich hoff du fühlst dich mittlerweile wieder 'angekommener' bei uns! 🙂

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Kathi Juli 5, 2015 - 9:22 pm

Danke! Bei dir doch immer, Mausi 🙂

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