Travel Stories — Cape Town Memories

by Kathi Daniela

»Und dann sitzt man nachts am Strand und die Brandung rauscht und man raucht eine Zigarette und schaut Freunden dabei zu, wie sie üben, ein Rad zu schlagen. Und irgendwo weit hinten am Horizont glitzern Lichter, doch die Sterne leuchten heller. Man sitzt nur da und grinst grenzdebil vor sich hin und denkt eigentlich an gar nichts außer daran, wie schön alles ist. Wie glücklich man sein kann, in einem Moment. So glücklich, dass es sich anfühlt, als würde es zu den Ohren wieder heraus kommen. Als müsste man sonst platzen. Und ich will das Gefühl festhalten, mitnehmen, aufheben für schlechte Zeiten und mich immer wieder daran erinnern. Südafrika ist magisch, weil es dich im Hier und Jetzt leben lässt.«

MuizenbergBeach

»Ich weiß noch genau, als ich den ersten Tag hier her gekommen bin. Meine Tasche fest umklammert am Flughafen und paranoid auf der Suche nach einem Gangster der mich überfällt. Und ich kann es mir überhaupt nicht mehr vorstellen, obwohl es erst ein paar Wochen her ist. In denen meine Textnachrichten weniger geworden sind und meine Skype-Gespräche immer kürzer. Ich könnte nicht wie ein echter Abenteurer in ein fremdes Land ziehen, habe ich gesagt. Aber ich denke mir jetzt: Wenn ich hierher gehe, dann würden hier Freunde auf mich warten.«

Table Mountain Lions Head View

»Das Wort für Kapstadt ist und bleibt bunt. Bunt meint farbig, lebhaft, vielfältig. Bunt gibt es in allen Schattierungen und in allen Hochs und Tiefs. Bunt heißt schillernd, auffallend, aufgedonnert, überladen. Bunt heißt farbenfroh, lebhaft, grell, kräftig, blendend. Bunt heißt ruhelos, impulsiv und stets in Bewegung. Und all das ist Kapstadt. Schillernde Lichter, wenn man nachts die M3 rein fährt, aufgedonnert und aufgebrezelt an der Promenade in Camps Bay, vielfältig und farbig sind die Gerüche, die Menschen und die Häuser. Alles ist eigentlich ein kleines bisschen mehr als man ertragen kann. Und so befindet man sich die ganze Zeit  an der Grenze dessen, was gut ist. Manchmal ist es frustrierend und dann wieder so wunderschön.

BoKaap_Colorful Houses

»Die Zeit hat mich verraten. Sie ist einfach vergangen. Während ich noch dagesessen bin und auf das Meer und die Wellen gestarrt habe, ist sie voraus gerannt mit ihren langen Beinen und jetzt kann ich sehen, wie ich nachkomme. Und am liebsten würde ich überhaupt gar nicht nachkommen. Ich will zurück bleiben. Südafrikanische Zeit. Zu spät kommen. Wenn es heißt 11 Uhr, um 12 auftauchen. Aber meine innere Uhr tickt eben einfach nach der deutschen Zeit. Sie tickt Richtung Verantwortung und Deadlines. Und wenn ich abends einschlafe, werde ich den Strand in Camps Bay rauschen hören. Und beim Aufwachen werde ich vor dem Fenster, in dem Augenblick, in dem man noch nicht richtig wach ist, den Muizenberg Peak sehen, bevor ich feststelle, dass es nur das Penny-Schild ist. Ich hab Afrika ganz geschluckt und jetzt liegt es mir schwer im Magen.«

 

TableMountain View
Und deshalb bin ich, während ihr diesen Post lest, wieder auf dem Weg in die Stadt, an die ich mein Herz verloren habe.

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5 comments

Kia (@kiahampel) November 12, 2015 - 6:55 pm

Ohh, was für ein schöner Post <3

Reply
Kathi Daniela November 15, 2015 - 9:02 am

Danke meine Liebe!! 🙂

Reply
Isabella November 13, 2015 - 3:08 pm

Ich will mehr davon!
Mehr Bilder, mehr Geschichten. 🙂

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Kathi Daniela November 15, 2015 - 9:02 am

Ohhh..dankr!! Ich arbeite gerade an Nachschub 🙂

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[:de]Was ich auf Reisen fürs Leben lernte [Blogparade][:en][Travel] Was ich auf Reisen fürs Leben lernte [Blogparade][:] - Kathi Daniela Mai 29, 2019 - 7:44 am

[…] Ich habe unzählige Tagebucheinträge, die mich an meine Zeit am Kap erinnern. Gedanken, Gefühle, in Zeilen gepackt, und am meisten verbinde ich noch immer dieses eine Gefühl mit meiner Reise: […]

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