[:de]Kapstadt-Kolumne — Umzug nach Kapstadt: Die dümmsten Fragen[:en]MOVING ABROAD TO SOUTH AFRICA: THE MOST STUPID QUESTIONS[:]

[:de]Kapstadt-Kolumne — Umzug nach Kapstadt: Die dümmsten Fragen[:en]MOVING ABROAD TO SOUTH AFRICA: THE MOST STUPID QUESTIONS[:]

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Ich habe euch erzählt, dass ich mit dummen Fragen konfrontiert werde, wenn die Leute erfahren, dass ich nach Südafrika ziehen werde. Fakt ist, dass zum Thema Auswandern und insbesondere zum Thema Auswandern nach Afrika jeder eine sehr genaue Meinung hat. Und wie Menschen nun mal sind, müssen sie diese Meinung auch dringend mit mir teilen. Schließlich muss mir ja klar gemacht werden, dass meine Entscheidung vielleicht nicht unbedingt die Schlauste ist, die jemals auf diesem Planeten getroffen wurde. Ist es nicht stattdessen möglich, mal über die Amerikaner und Trump zu sprechen? Nein? Okay, here we go, meine Top-List der dümmsten Fragen so far.
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Die dümmsten Fragen zu meinem Umzug nach Kapstadt

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»Wann kommst du zurück?«

Ja, ich weiß, die Frage ist nicht böse gemeint. Verurteilt mich nicht, wenn ich sie zu den dummen Fragen zähl. Aber es ist so: Ich bin eh mit einer dünnen Haut gestraft im Moment. Und diese Frage impliziert mein Scheitern. Sie sagt mir: Du wirst dich dort eh nicht einleben. Das ist nur eine Phase. Dann bemerkst du schon, was du an Deutschland hast und an unserem Sozialsystem, unserer Rentenkasse, unseren 9to5-Arbeitszeiten und unserem High-Speed-Internet. Wie lange glaubst du noch mal, dass diese Phase dauern wird?
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»Warum nimmst du denn einen Job an, in dem du so schlecht verdienst?«

Ähm ja… weil für mich Verrückte Geld nicht alles ist. Und weil man als Journalist so schlecht verdient, dass Kapstadt keine echte Verschlechterung darstellt. Weil man nicht alles haben kann und ich mit miesem Gehalt wenigstens am Meer wohne. Weil nicht jeder sagen kann, mit diesem Geld ein Haus mit Pool zu haben. Weil’s geil ist, deshalb. Und weil ich das Geld im Augenblick sowieso für niemandem ausgebe, als für mich selbst. Warum dann nicht für das, was mir auch am meisten taugt?
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»Hast du keine Angst, überfallen zu werden?«

Glückwunsch! Du hast ein bisschen gegoogelt und hast die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes gelesen. Von hohen Kriminalitätsraten in südafrikanischen Innenstädten, von Gewalt und Mord. 300 Tote pro Jahr alleine durch Gangrivalität! Ob ich keine Angst habe? Nein, denn glücklicherweise bin ich kein Gang-Member! Nachts alleine durch die Cape Flats – sprich Townships – gehe ich auch nicht spazieren. In Nürnberg werden Menschen mit Messern bedroht, Frauen mit Flaschen k.o. geschlagen und vergewaltigt. Nein, ich habe nicht mehr Angst als in Deutschland, wo wir uns dringend an der eigenen Nase fassen sollten!

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»Können wir dann noch Skypen?«

Nein, sorry. Ich werde dir Rauchzeichen geben, wie damals die Indianer einander, okay? Halt, nein, ich bin ja in Afrika. Buschtrommeln sind da das Kommunikationsmittel der Wahl. Alternativ kann ich dir natürlich auch eine Falschenpost an der V&A Waterfron ins Wasser werfen. Danach gönne ich mir einen veganen Quinoa-Wrap mit Guacamole bei Kauai, kauf mir einen Frappuccino, geh ein bisschen bei H&M shoppen und kauf mir ein Outfit für heute Abend, wo Robin Schulz in diesem einen coolen Club auflegt. Der findet Digital Detox in Cape Town übrigens auch echt jedes Mal super!
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»Wirst du dann auch in ein Wellblechhütte wohnen?«

Natürlich, so wie jeder Bewohner Südafrikas. Vor allem diejenigen, die zum Beispiel die Bachelor-Villa vermieten, die Top-Models beherbergt haben oder ihre schicke Bude für Pool Parties à la OC California nutzen. Erstens finde ich es respektlos, anzunehmen, dass in Südafrika nur irgendwelche ungebildeten Buschmenschen leben, die kein ordentliches Dach über dem Kopf haben. Und zweitens finde ich es respektlos, solche Bemerkungen zu machen, ohne sich vorher zureichend über die Apartheid zu informieren und darüber, warum so viele Menschenin Südafrika in Shacks hausen müssen..
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»Hast du kein schlechtes Gewissen deiner Familie gegenüber?«

Okay, das ist eine von den ganz harten. Die tut richtig weh. Und sie ist so unnötig. Natürlich, natürlich habe ich ein schlechtes Gewissen. Meine Familie ist nicht gerade harmonisch wie die Waltons. Meine Mama wäre dankbar, würde ihre Tochter in nächster Nachbarschaft wohnen. Mein Bruder ist verlobt und mit etwas Pech verpasse ich seine Hochzeit. Mein Pferd bleibt zurück und die Freundin, mit der ich es teile, werde ich nicht mehr mehrmals die Woche zum quatschen treffen können. Ja, ich fühl mich schlecht. Aber musste du’s mir auch noch unter die Nase reiben?
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»Sag mal… fühlst du dich nicht unwohl wenn da so viele… Schwarze sind?«

Safe the best for last hab ich mich gedacht. Denn diese Frage ist an verstecktem Rassismus und Ignoranz eigentlich nicht zu überbieten. Ob ich mich unwohl fühle? Weil Schwarze irgendwie alle kriminell sind? Weil die mit Vorliebe weiße Frauen vergewaltigen? Weil die alle kein Geld haben und deshalb Ausländer überfallen? Weil die noch in ihren alten Traditionen leben und keinen Respekt vor Neuem haben? Warte, ich frag mal meinen Kumpel Chris, der bei Amazon arbeitet, sich erst neulich ein neues Smartphone gekauft hat und dessen Freundin aus den Niederlanden stammt. Ich frag ihn mal, ob er mich nicht überfallen und mein drei Jahre altes Samsung klauen möchte. Und ich frag ihn mal, ob er seine weiße Freundin gezwungen hat, mit ihm zu leben. Mann, Leute: Wo ist denn der verdammte Unterschied zwischen jemandem mit dunkler Haut und uns!?
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Bilder: Julie Holmes/pexels.com, Jordan McQueen/unsplash.com

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I told you about the stupid questions I get asked when my friends and acquaintances hear about my move to South Africa. Everybody’s got a clear opinion on moving abroad. Especially on moving to Africa. You know how people are… they just have to share this opinion with me and let me know that my decision has its downsides. Actually, it was a pretty dumb decision, you know? Well, okay. Could we talk about the Americans and Trump instead when talking about dumbness? No? Okay, so here we go. Here are the most stupid questions people asked me so far.

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Moving abroad to South Africa: The most stupid questions

When are you coming back?«

I know, I know this questions is not asked with bad intentions. Anyhow, it’s a stupid question, because: it implies me failing in being able to settle down in South Africa and build a live there. This questions implies: Kathi, it’s just a phase. It’s just an idée fixe. You will realize in time. You will miss Germany, our social system, our pension system, our 9to5 and our high speed internet. You will come back – and you will do it sooner than later.

»Wh do you want to work in such a bad paid job?«

Call me crazy, but money doesn’t rule my world. I am no top-earner as a journalist anyways so it’s not that bad to work for a South African salary. They say you can’t have it all and at least I have the ocean. And the mountain views. That’s what I want. Period.

»Are you not afraid of being robbed?«

Well, congratulations! You googled and read about the high crime rates in big South African cities. 300 deaths just because of gang-related crime in one year! Robbery! Burglery! Hijacking! Am I afraid? No, I’m not. First, because I am no gang member. Second, because I don’t walk in shady areas alone at night. I don’t even do that at home. No, I am not more afraid than in Germany where people get raped and robbed and shot as well.

»Can we still skype then?«

Nooooo…sorry. I can send some smoke signals like the Indians, okay? Oh, no wait, I’m in Africa. They prefere the talking drums. So you better prick your ears. Or if you prefer, I could also throw a message in a bottle into the Atlantic ocean? And just after that I’m gonna eat a nice vegan quinoa wrap at Kauai, buy a Frappuccino and do some shopping and H&M to be perfectly dressed for Robin Schulz whose playing in the coolest club in town tonight.

»Are you going to live in a shack?«

Ja, sure, like all South Africans. Especially the ones that are renting out villas to tourists. Let me tell you something: it’s disrespectful to assume that South Africa is full of uneducated bush men living in shacks. And it’s even more disrespectful to talk about such things without considering Apartheit and why so many people in South Africa are still living that way.

»Don’t you have a bad conscience leaving your family like that?«

Ouch! That one hurt! And it’s just unnecessary to ask me such a question, because: Of course I’ve got a bad conscience. Hello, my family needs me. We are far from being the Waltons. My mum needs help in everyday live. My brother’s engaged and getting married next year. I don’t know if I will be there. My horse will stay in Germany and I won’t meet the friend I share it with anymore. I am gonna miss them and I feel bad. But do you have to rub salt in my wounds?

»Don’t you mind that there are so many… black persons?«

Yep, I saved the best for last! This is the most rassist and ingorant questions I’ve heard in a while. I didn’t even know what to answer. If I do mind? Why? Because black people are criminals? Because black people are rapist? Because black people are robbers? Let me ask my (black) friend Chris, what he thinks about that. Let me ask him, if he wants to steal my three year old Samsung to trade it for his brand new iPhone. Let me ask him, if he forced his Dutch girlfriend to be with him. Let me ask him if his job at amazon is just a cover up for his criminal activities… Wake up, it’s 2016!

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Bilder: Julie Holmes/pexels.com, Jordan McQueen/unsplash.com

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14 thoughts on “[:de]Kapstadt-Kolumne — Umzug nach Kapstadt: Die dümmsten Fragen[:en]MOVING ABROAD TO SOUTH AFRICA: THE MOST STUPID QUESTIONS[:]”

  • Ich musste kurz lachen über die Frage, ob du in einer Wellblechhütte leben wirst… konnte dann aber nur noch mit dem Kopf schütteln. Die Fragen spiegeln eigentlich nur das wieder, was in den Medien suggeriert wird und wo noch eine ganze Menge Aufklärungsbedarf ist. Aber wie erschüttert das Weltbild dann wäre, würden die Medien mal positives aus der Welt berichten…

    Konntest du beim beantworten noch höflich bleiben?

  • Es wäre wirklich lustig, wenn es nicht so traurig wäre. Gerade die letzte Frage ist… mir fehlt das passende Wort, erschreckend trifft es nicht ansatzweise. Es ist wirklich traurig, dass du solche Fragen beantworten musst. Dabei kann man jemandem, der auswandern will doch soviel interessanteres Fragen.
    Anneke

  • Das Menschen einem einfach nichts Gutes wünschen können oder sich mit einem freuen können, es ist so unfassbar traurig! Ich wünsche dir auf jeden Fall eine wunderschöne Zeit und ich freue mich so dermaßen auf das was du berichten wirst! Liebe Grüße JEnny

  • Hahah! Die Fargen sind doch echt nicht alle ernst gemeint gewesen oder? Die letzte Frage geht echt GAR NICHT!! :O das sind so die typischen Fragen von Leuten, die außer dem eigenen Vorgarten noch nicht viel gesehen haben. 😉
    Wir wünschen dir auf jeden Fall einen guten (und stressfreien) Umzug und beneiden dich ein klitzekleines bisschen um deinen neuen Wohnort 🙂
    Liebe Grüße, Anna & Vanessa

    • Verrückt oder? So viele Leute fragen sich Dinge, auf die man alleine nie gekommen wäre😉
      Aber vielen Dank für die guten Wünsche – ein stressfreier Umzug, das wär toll😄

  • Haha, wie lustig! Manche Leute sind einfach nur zum brüllen 🙂 Ich kenne das nur allzu gut und dabei bin ich noch nicht mal annähernd irgendwann mal irgendwo hin ausgewandert! Längere Reisen ja! Und selbst jetzt als ich nur eine Woche allein in Italien gereist bin, musste ich mir zuvor ungefähr hundert Mal anhören „Hast du da keine Angst so allein?“. Würde mich interessieren, was die Leute sagen, wenn ich ihnen erzählen würde ich flieg nach Afrika. Ich glaube, dass probier ich zum Scherz mal aus 😉 Ich finde es super was du machst und bin gespannte was es alles zu hören gibt von dir! Liebe Grüße, Ella von ellahappylicious.com

  • Haha…ich kenne diese Fragen nur zu gut! Die wenigsten Menschen haben sich je Gedanken zu dem Thema gemacht. Vielleicht so als Tagtraum, aber niemals konkret.
    In meinem Blog,(www.ruhestandthailand.de) habe ich mich auf Rentner, die nach Thailand auswandern wollen spezialisiert. Schon spannend zu sehen, wie Menschen mit der Option „ein neues Leben beginnen“ umgehen!
    Ich wünsche DIr viel Glück und Erfolg…und ein spannendes Leben, aber das wirst du ja automatisch und for free haben ;D

    • Hallo Karsten,
      haha, lustig, dass du genau die gleichen Erfahrungen gemacht hast. Na ja, jedes Land hat so die Vorurteilen, mit dem es zu kämpfen hat und jeder Auswanderer hat schlussendlich die Möglihchkeit, etwas wirklich schönes aus seinem „neuen“ Leben zu machen. Spannend, dass du nach Thailand ausgewandert bist – ich muss mal direkt bei dir vorbei sehen 🙂
      Liebe Grüße,
      Kathi

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