[:en][Moving Abroad] Ich wandere heute aus. Und du so?[:de]Kapstadt-Kolumne #2 — Ich wandere heute aus. Und du so?[:]

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When I’m finally arriving at the airport, moving abroad suddenly feels like skydiving. Or let’s say: the moment shortly before the skydive, when you’re up at 4.000 meters and you’re staring our of the airplane asking yourself if you really feel like doing it now.

»Where are you going?«, Volkan asks me. He’s sitting next to me on the flight to Istanbul and he seems like a nice guy. »To Cape Town.« »Cool. For how long?« »Well…«, I don’t know what to say, so I just shrug and he’s quite impressed: »Wow, so you’re starting your expat life today!« I start laughing. »Ja, I start my expat life today. So what are you up to?« It sounds so easy how he says it. Just become an expat. And let’s be honest: Becoming an expat actually is not more complicated then moving to another city in your home country: Get a job, get a visa, pack your bags, board a plane. Been there, done that.

Boring as fuck.

At least that’s what I was hoping for. But only 45 minutes after take off, stewardesses start running through the aisles, panicked looks on their faces. Then comes the announcement: »Is there a doctor on board? We’re having a medical emergency.« We have an emergency landing in Vienna and clock is ticking. When we take off again, I still have 15 minutes to change flights in Istanbul. I’m happy the guy having that hear attack is fine.

But was it really necessary for him to get it on that flight?

I push my way out of the plane right after landing, shoulder 10 kilograms of  hand luggage and start running. There’s someone ground staff guy standing at the door to the airport. »Flight to Cape Town, please?« He points in one direction. »Hurry up, you can still make it!« I run for my life. Push people to the side. »Sorry. Sorry.« Fuck, this bag is heavy! In the movies it looks so much more calm and easygoing to run for a plane. I see gate 303. Last call. I rush to the desk, show them my ticket and: I made it! I’m boarding the plane to Cape Town!

With me: a really good looking Dublin rugby team! What a reward for all the hassle. Another reward: the seat next to me is not taken. I just make myself comfortable and fall asleep before the stewardesses serve dinner. My expat life started today. How about your day?

Durban from above

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Ich mag das Wort »Auswandern« nicht. Das klingt so nach VOX und Goodbye Deutschland. Auf dem Einwohnermeldeamt, wo ich mich in Deutschland abmelden musste, nennen sie’s »Wegzug ins Ausland«. Das gefällt mir irgendwie besser.

Am Flughafen sind mir solche Begrifflichkeiten dann aber echt piepegal. Dieses ganze Wegziehen hat was von einem Fallschirmsprung – auf 4.000 Metern Höhe, neben der offenen Flugzeugtür, kommt einem plötzlich der Gedanken, ob das wirklich sein muss. Wie so ein Abschied dann aussieht, kann sich denk ich jeder vorstellen. Nach dem Verbrauch von einem halben Päckchen Tempo verschwinden also meine insgesamt fast 40 Kilo Gepäck und ich im Bauch des Flughafens.

»Wo geht’s hin?«, fragt mein Sitznachbar Volkan auf dem Flug nach Istanbul. »Nach Kapstadt.« »Und für wie lange?« »Ähm…«, ich zucke die Schultern und er ist beeindruckt: »Krass, also wanderst du heute quasi aus!« Ich muss lachen. »Ja, ich wandere heute aus. Und du so?« Wie er das so sagt, klingt es eigentlich total easy. Mal eben Auswandern. Und eigentlich, sind wir mal ehrlich, ist es das auch: Packen ist easy, denn es muss sowieso alles mit und was nicht reinpasst, muss eben da bleiben. Und dann? Flughafen, Check-In, Passkontrolle, Fensterplatz. Been there, done that.
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Unspektakulär as fuck.

Hatte ich zumindest gehofft. Und dann, 45 Minuten nach Start die panische Durchsage, die ich bisher nur aus dem Fernsehen kenne: »Ist hier ein Arzt an Bord?« Ein medizinischer Notfall. Ich glaube, mich verhört zu haben, aber meine Mitreisenden, die neugierig die Köpfe recken und hektisch hin und her rennende Flugbegleiter zeigen, dass meine Ohren durchaus richtig gehört haben. Wir notlanden in Wien. Mein Puffer, um am Atatürk-Flughafen umzusteigen schmilzt von zweineinhalb Stunden auf 15 Minuten. Ich sehe mich schon in Istanbul stranden – aus ganz anderen Gründen als ich zuerst befürchtet hatte, denn der Putschversuch ist erst eine Woche her. Wir heben wieder ab. Klar bin ich froh, dass der Mann am Leben ist, Himmel!
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Aber musste er den Herzinfarkt unbedingt auf diesem Flug kriegen?

Wir machen auf dem Flug fünf Minuten gut. Kaum sind wir gelandet, quetsche ich mich wie einer dieser unglaublich nervigen Passagiere direkt nach vorne an die Tür durch und sprinte mit meinen 10 Kilo Handgepäck und zwei Taschen los. Sehe jemanden vom Ground Staff und hechle: »Flight to Cape Town, please?« Er deutet in eine Richtung. »Hurry up, you can still make it!« Ich renne, als ginge es um mein Leben. Schiebe mich durch Menschenmassen. »Sorry. Sorry.« Die Tasche schlägt gegen meine Beine. Ich keuche. Im Film sieht das immer irgendwie besser aus. Und dann ist es da: Gate 303. Last Call. Ich stürze zum Schalter, zerre mein Ticket aus der Tasche. Sprechen kann ich nicht mehr. Und dann bin ich drin!

»Will my luggage make it?«, frage ich die Flugbegleiterin noch. Ich sage ihr, mit welchem Flug ich gekommen bin und ich sehe, dass sie mich am liebsten auslachen würde, aber zu professionell dafür ist. »No, most likely not«, sagt sie. Eigentlich wäre es jetzt Zeit für einen kleinen hysterischen Anfall, denn mein ganzes Leben ist in dieser großen, schwarzen Reisetasche, die irgendwo in Istanbul am Flughafen geblieben ist. Erinnerungen, persönliche Dokumente, Bücher, Shampoo, Duschgel, Kleidung zum Wechseln. Doch ich bin zu müde dafür.

Zur Belohnung für den ganzen Stress fliege ich nicht nur mit einem äußerst ansehnlichen Rugby-Team aus Dublin, sondern der Sitz neben mir bleibt tatsächlich leer! Ich strecke mich aus und bin schon eingeschlafen, bevor es Abendessen gibt. Ich bin heute ausgewandert. Und du so?

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Kathi Daniela

Kathi Daniela

Kathi ist freie Redakteurin und Travel-Bloggerin. Sie hat insgesamt eineinhalb Jahre in Südafrika und ein Jahr in der Tschechischen Republik gelebt. Am liebsten hält sie sich irgendwo in der Nähe vom Meer auf
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