Monatsrückblick #8 – Das war der August

Monatsrückblick #8 – Das war der August

Donnerstag, 29 Grad. Ich habe den Urlaubskater überwunden, der diesmal lange angedauert hat. Mehrere Tage hatte ich dieses leere Gefühl, wenn man zurück kommt und sich das eigene Leben auf einmal fremd anfühlt, weil man sich im Urlaub eine viel schönere Realität geschaffen hat – nur, dass die eben nicht real war.

Und für mich war es nicht einmal diese Urlaubsrealität vom Meer und einem gemachten Bett, das am Abend auf einen wartet oder die Reiserealität eines immerwährenden Zustands von Excitement. Nein, für mich war diese Realität, die ich mir gerne erhalten hätte, einfach die, alle meine Freunde an einem Ort vorzufinden.

Wie sich in Sarajevo Deutschland und Südafrika und Tschechien einfach vereint haben und all die Menschen aus diesen unterschiedlichen Lebensabschnitten nicht nur einen WhatsApp-Call, sondern auch nur einen Fünf-Minuten-Fußweg entfernt waren, dass war meine schönste Realität. Und machte das nach Hause kommen hart – in eine Stadt, die ich immer noch nicht richtig gut kenne und in eine Wohnung, in der ich abends nicht mit Freunden sitze und Wein trinke, während irgendjemand schlechte Songs auf YouTube spielt und irgendjemand anders Gras aus der Hosentasche zaubert.

Aber jetzt bin ich hier. Und es hat 29 Grad. Und es ist ein Weinfest an der Osterstraße und bei einer Flasche Rivaner, die wir uns teilen, lasse ich die Urlaubsrealität gehen – und komme wieder an.

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Natürlich kamen all diese Menschen nicht einfach so nach Sarajevo, weil es so eine hippe Destination ist und wir Doodle-Umfragen wirklich drauf haben (obwohl es eine wirklich sehenswerte Stadt ist!)

Nein, sie kamen, weil wir geheiratet haben (zum zweiten Mal). Eine Hochzeit, das wussten wir nach unserer standesamtlichen Trauung, ist nur eine Hochzeit, wenn man die Liebe auch mit den Menschen feiert, die man liebt. Dass wir also im Sommer nochmal mit unseren Freunden feiern würden, das stand von vornherein fest.

Und es war eine Party, die unglaublich viel Spaß gemacht hat. 140 Menschen, die sich angefühlt haben wir 14. Ein unglaublich vertrautes und schönes Gefühl. Entspannung pur. Auf einer Hochzeit. Ich denke, so sollte es sein.

Und ja, wir haben wirklich in einem Fußballstadion geheiratet. Und wir haben wirklich Standing Ovations mit Bengalfeuern bekommen. Und auch, wenn ich der Fußball-Szene schon immer kritisch gegenüber gestanden bin, vielleicht auch wegen des Rufs, den sie hier in Deutschland hat, durfte ich in Sarajevo feststellen, dass der Großteil der Fußballfans, die ich dort kennen gelernt habe, herzensgute Menschen sind, mit Frau und Kind und Familie und ganz ohne rechte Ansichten oder Drogenprobleme.

Und wieder mal bestätigt sich: Es sind normalerweise einfach schlechte Ausnahmen die eine Regel, ein Klischee, eine Behauptung über eine Person oder eine ganze Personengruppe ins Leben rufen. Seien das jetzt Fußballfans, Flüchtlinge oder einfach nur die Nachbarn: Irgendeiner benimmt sich immer daneben.

Discovering Sarajevo

Wenn man ein Land mehrmals besucht und nicht nur als Tourist, sondern auch im regen Austausch mit den Locals, dann kann man eigentlich irgendwann gar nicht anders, als hinter die hübsche touristische Fassade zu blicken.

Ja, ich erzähle jedem, wie wunderschön Bosnien und was für eine besondere Stadt Sarajevo ist. Ich sage jedem, er solle herkommen, das Land besuchen, die Natur bestaunen, das leckere Essen genießen und die unglaublich freundlichen Menschen kennen lernen.

Ich erzähle eigentlich keinem von den Umweltproblemen, vom Müllproblem, vom Hass, auf den mein Mann micht aufmerksam macht – als Graffiti an den Hauswänden, in Form von Flugblättern oder nationalistischen Songs.

Ich erzähle nicht davon, dass meine Freunde die Politik als komplett abgefuckt und korrupt bezeichnen, dass die Medien manipulativ sind und das Hass immer noch Geld und Wählerstimmen macht, dass es etwas zählt wie du heißt und woher du kommst und zu welchem Gott du betest.

Gut die Hälfte der Konversationen, denen ich folge, dreht sich nur darum, wer gegangen ist, wer gehen wird und warum man selbst noch da ist. »Lass uns abhauen von hier«, ist ein Satz, den ich sehr oft höre. Aus dem Café? Aus der Bar? Runter vom Berg? Nein, weg aus Bosnien, ist jedes Mal die Antwort. Wer jung und gebildet ist, der will nicht bleiben. Wer gut genug Englisch spricht, wird Flugbegleiter, wessen Deutsch passabel ist, der kommt als Krankenpfleger hierher.

Ich kann diesen Hass nicht nachvollziehen und weder greifen, noch sprachlich verstehen. Und ich kann es eigentlich nicht mal verstehen, dieses Ziehen in der Brust, das man verspüren muss, wenn man gleichzeitig bleiben und gehen will.  

Ich kann nur dasitzen, zuhören, schweigen und mich sehr, sehr privilegiert und glücklich schätzen.

Ich habe diesen Text übrigens ursprünglich (leicht gekürzt) als Caption auf Instagram geschrieben. Ich habe auf mein Bild der Herz-Jesu-Kathedrale auch für meine Verhältnisse ziemlich viele Kommentare bekommen. Die Caption durchgelesen hat sich eigentlich aber keiner. »Schöne Kirche!« oder: »Jetzt habe ich Lust auf Urlaub!« Das war so das einzige was kam.

Ich bin enttäuscht, dass Travel Accounts scheinbar überhaupt keine Follower mehr haben, die sich tatsächlich für die Destination interessieren. Sondern nur für ein hübsches Foto. Dabei können wir heute erst Recht Social Media nutzen, um wirklich was zu teilen und zu bewirken. Schöne Bilder kann ich auch googlen.

Top-Picks der Woche

Wieder mal ein ganz grandioses Album von Rise Against, das im Augenblick bei mir echt in Endlosschleife läuft. Besonders gleich der erste Song des Albums, Violence und Far from Perfect laufen bei mir auf Repeat. Life Goal: Rise Against auch mal live sehen!

Dieser Beitrag von Stef aka la_frecks auf Instagram ist so lesenswert! Es geht um Sex und Sexualität und den absurden Druck, der von unserer Gesellschaft ausgeht, wenn’s um die intimste Sache der Welt geht. Und wo wir schon dabei sind: Nicht nur dieser Post ist absolut lesenswert, auch ihre anderen Beiträge inspirieren, diskutieren, regen zum Nachdenken an. 

Überhaupt, darauf lege ich auf Instagram immer mehr Wert: Accounts, die mich inspirieren und die  mich zum Nachdenken anregen. Die mir gute Laune machen und denen ich gerne folge. Die authentisch sind und ehrlich und gleichzeitig aber nicht trashig. Stef ist nur einer davon – vielen anderen Accounts bin ich in den letzten Wochen entfolgt, habe versucht, meinen Feed inspirierender zu gestalten und fühle mich sehr gut damit!

 

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Blicke sagen mehr als tausend Worte!

Und mein Blick sagt glaube ich einfach alles über unsere Hochzeitstorte von Twin Cakes. Also ganz ehrlich: Falls ihr Kuchen, Cupcake oder Muffin-Liebhaber seid und irgendwann mal Sarajevo besucht – stattet dem Laden einen Besuch ab.

Was ich außerdem an diesem Bild auch mag, obwohl es unscharf ist und verpixelt und das Licht schlecht: Dass ich einen Torte mit einer solchen Begeisterung anschauen kann. Noch vor wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass ich mich begeistert auf so eine Kalorienbombe stürze.

Wie bei so vielen ging auch bei mir die zunehmende Social-Media-Nutzung mit einem schwierig zu kontrollierenden Vergleichen einher. Erst vor einem Jahr oder so bin ich beinahe sämtlichen Fitness-Accounts entfolgt – und fühl mich besser denn je!

Irgendwie kommt dieser Monatsrückblick gerade rüber, wie eine halbe Instagram Hatespeech. Das soll auf keinen Fall so sein. Vielleicht ist mir aber einfach in den vergangenen Wochen bewusst geworden, durch ein paar äußere Einflüsse, dass man sich sein Leben nur mit inspirierenden und spaßigen Dingen vollpacken sollte.

Das mag jetzt vielleicht oberflächlich klingen, so als wollte ich mir nur die schönen Dinge schnappen und alles ausblenden, was mir nicht passt. Dem ist nicht so. Ich habe immer noch politische Meinungen, verfolge die Nachrichten, lese Bücher die mich aufwühlen. Aber in Social Media, wo ich ohnehin viel zu viel Zeit verbringe und wo ich ganz selbst die Wahl habe, da kann ich wirklich selektiver sein.

Wie seht ihr das so?



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