MONATSRÜCKBLICK #7 – DAS WAR DER AUGUST 2019

#August

Sommer, das sind die Monate ohne „r“ im Namen, hat meine Oma immer gesagt. Die Monate in denen man barfuss läuft, Eis isst und ohne Jacke aus dem Haus geht. Das gibt’s nur von Mai bis August. Da war meine Oma strikt und meistens hatte sie Recht. Das heißt aber auch: Der Sommer ist jetzt  auch schon wieder vorbei.

Und diesen hier, diesen Sommer habe ich wirklich sehr geliebt, genossen und aufgesaugt. Er hat sich lang angefühlt und gleichzeitig sehr kurz. Viele Dinge fühlen sich so an, seit ich älter bin – erwachsen. Zwischen Verantwortungsbewusstsein, 40 Stunden, Sport und Haushalt rennt die Zeit nur so dahin und bevor ich mich umschaue, ist es September und der Sommer vorbei.

Und trotzdem war dieser Sommer anders, schwerer. Klebrig nicht nur von der Hitze, sondern auch von der Ruhe des Nichtstuns. Es war der erste Sommer, in dem mein Kopf und mein Herz Urlaub gemacht und sich entspannt haben. Kein Umzug, der ansteht. Kein Job, der gewechselt werden will. Keine Hintergedanken, die jeden gemütlichen Sommerabend ein bisschen weniger ruhig machen. 

Dieser Sommer war einfach wie eine gute Siesta: Faul in der Hitze, lang aber gleichzeitig ein bisschen zu kurz und ich bin jetzt bereit, den Herbst anzunehmen und weiterzuarbeiten (ein bisschen zumindest). 

Bosnien ist für mich einfach immer wieder ein ganz besonderes Reiseziel. Ein Land, das ich fast so viel ins Herz geschlossen habe, wie Südafrika. Und mein liebeskummergeplagtes Ich konnte sich in den letzten drei Jahren nicht vorstellen, jemals wieder einen Ort so sehr zu lieben, wie Cape Town.

Mit Bosnien ist das ein bisschen was anderes – das Land ist mir ans Herz gewachsen, Sarajevo ist mir irgendwie ans Herz gewachsen. Ich fühle mich wohl in diesem kleinen Land, dass irgendwie keiner auf dem Schirm hat. 

Ich sammle Tomaten und Gurken im Garten meiner Schwiegermutter, trinke nachts um neun bosnischen Kaffee und dafür früh’s um zehn Uhr dicken, süßen Erdbeersaft.

Wir klettern auf Berge, wir folgen den Flussläufen von Quellen in unfassbar grünen Wäldern und trinken aus glasklaren Bächen. Wir rennen durch den Regen, versuchen ein Taxi zu schnappen und ich wundere mich immer wieder, wie laut Sommergewitter in Bosnien sind.

Ich esse mehr Fleisch als im ganzen Rest des Jahres zusammen und mir kleben die Lippen von süßem Baklava und Hurmašice. Die Abende sind weinselig, die Morgen langsam mit Kaffee und Maslenica. 

 

Bosnien, immer wieder…

Und trotzdem komme ich mir manchmal vor wie ein imposter

Ich bin da immer noch ein Fremder – ich versuche zu verstehen, ohne zu verurteilen. Krieg, Wirtschaft, Politik. Ich bin privilegiert, in Deutschland aufgewachsen. 

Wie könnte ich behaupten, dieses Land zu kennen? Wie maße ich mir an, darüber zu berichten, zu schreiben, als hätte ich irgendein Recht dazu mir eine Meinung zu bilden? Wie kann ich die Zerrissenheit einer verlorenen Generation von Auswanderern und Gastarbeiter-Kindern in Worte fassen, wie kann ich ihre Verwirrung, ihre Trauer um ihr Zuhause verstehen und ihre Entscheidung, es zu verlassen? 

Wie kann ich fühlen, was es bedeutet, Diaspora zu sein oder in der Kindheit jeden Sommer nach Bosnien zu fahren, weil die Familie dort noch lebt? Wie es sich anfühlt, die Sprache der eigenen Eltern nur schlecht oder mit Akzent zu sprechen? Oder nur am Telefon, weil du schon lange nicht mehr dort lebst…

picks of the month



Dance it out

Einer der bekanntesten DJs der Welt und er kommt nicht, wie viele denken, aus der Hansestadt Hamburg! Geboren wurde der DJ Solomun in Bosnien.  Und dort, in Sarajevo, hat er am Abschlussabend des daSarajevo Film Festival ein kostenloses Open Air gegeben. Und nicht nur das, die Einnahmen der After Party wurden für Menschen in Bosnien gespendet. Gänsehaut mitte in der Menge zu stehen!

stressig, teuer, kompliziert

Ich werde hoffentlich nicht von Hater-Kommentaren all jener überschüttet, die eben das genießen, was die Autorin dieses Artikel unbedingt verlassen will. Und weil sie mir damit aus der Seele spricht. Das Landleben, Natur und traute Stille? Nix für mich. Dieser Artikel dazu ist klasse!

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