Belgien Roadtrip: 1 Tag mit dem Auto durch Wallonien

Die Sonne scheint mir auf den linken Arm, den ich aus dem Fenster strecke. Ein paar Babyhaare haben sich aus dem Zopf geschlichen und wehen im Wind. Es ist der erste so richtig sonnige Tag in Belgien – und er kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Wir fahren nämlich bei gemütlichen 120 km/h von Gent Richtung Liège, eine Stadt ganz im Osten von Belgien, nur 50 Minuten von Aachen. Nachdem wir Brügge, Antwerpen und Gent gesehen hatten, wollten wir gerne nochmal was Neues entdecken. Das Belgien, das vielleicht nicht Scharen von Touristen besuchen. Einfach mal mit dem Auto anhalten, wo es schön ist oder weiterfahren, wo es uns nicht gefällt.

Ich habe einfach eine ganz große Liebe für Roadtrips… 

Liège

Französischer Flair an der deutschen Grenze

Wenn ich mir aussuchen dürfte, mit welchem Verkehrsmittel ich reisen will, dann würde ich mich eigentlich fast immer fürs Auto entscheiden.

Ich liebe die Freiheit, die es mir gibt. Anzuhalten, wo es mir gefällt und einfach weiterzufahren, wenn mir etwas nicht gefällt. Ich liebe das Gefühl von Roadtrips und Freiheit. Und seit Jahren nutze ich inzwischen regelmäßig Blablacar und lerne in Autos tolle, spannende Menschen kennen.

Als wir also überlegten, wie wir den vorletzten Tag in Belgien verbringen könnten, war für mich klar: Ein Mietwagen und ein kleiner Roadtrip soll es werden!

Liège ist so französisch, als wir aus der Tiefgarage ins Tageslicht treten, dass ich mich kurz frage, ob wir nicht doch versehentlich über die Grenze gefahren sind. Oder wie kann eine Stadt sonst aussehen wie ein beschaulicher, Pariser Vorort?

 Wir wundern uns nicht lange, sondern tun das, was man eben tut, wenn man sich kurzerhand fühlt, als wäre man in Frankreich gelandet: Frühstück mit Pain au Chocolat und Café au lait. Das einzige, was das ausgezeichnete Schokoladenbrötchen trüben könnte, ist die Tatsache, dass die Kellnerin mich nicht versteht, als ich versuche, zu bestellen. Schulfranzösisch, wo bist du hin? 

Viel Zeit haben wir trotzdem nicht in Liège. Mit vollem Bauch spazieren wir noch ein wenig durch die Innenstadt, ich genieße es, überall um mich herum Französisch zu hören und zu lesen, und gehen nach zwei Stunden schon zurück zum Auto. Immerhin haben wir ja noch viel vor!

 

***

 

Wer Liège jedoch ein wenig mehr Zeit einräumen möchte: Liège gehört zur Wallonie, dem französischsprachigen Teil Belgiens und war im Jahr 2007 Kulturhauptstadt. Es gibt also einiges zu entdecken. Spannend ist die Stadt vor allem für Architekturliebhaber und jeden, der sich für die Geschichte des 1. Weltkriegs interessiert – der erste Kampf fand nämlich in Liège statt. 

Ich miete meine Autos fast immer über billiger-mietwagen.de und selten direkt beim Anbieter. Das liegt aber vor allem daran, dass ich es mag, auf der Website zahlreiche Filtermöglichkeiten einzustellen. 

Generell buche ich immer unbegrenzte Kilometer, um nicht total unentspannt und gestresst auf die Entfernungen zu schauen. Auch ein Muss ist natürlich Vollkasko und – und das übersehen viele – eine bezahlbare Kaution. 

Wenn man über billiger Mietwagen bei einem Budget-Anbieter bucht, dann werden nämlich schnell mal zwischen 1.000 und 2.000 Euro Kaution fällig. Und die muss man erstmal auf der Kreditkarte haben!

Die nächste Stadt auf unserer Route schmiegt sich gemütlich in die Berge. Umrahmt wird sie von tiefen Schluchten, Wäldern, wilden kleinen Flüssen. Ein Stück Kanada mitten in Europa. Die Wärme flirrt auf dem Asphalt als wir Aussteigen und die Einwohner scheinen eine kleine Siesta zu halten. 400 sind es gerade einmal, die in der offiziell kleinsten Stadt Belgiens leben. Dafür aber jährlich über eine Million Touristen.

Und das ist völlig verständlich, denn Durbuy sieht aus, wie aus einem alten, französisch Schwarzweiß-Film. Eingefärbt, mit einer gemütlichen Atmosphäre überzogen – die fabelhafte Welt einer belgischen Amélie.

Wir schlendern vorbei an kleinen Häuschen aus grauem Bruchstein, über holpriges Kopfsteinpflaster hinauf zum Château und atmen Geschichte. Die Gegend um Durbuy wurde schon in der Steinzeit besiedelt, in der Römerzeit bewohnt und während des Mittelalters als Handelszentrum etabliert.

Durbuy

the Belgian fairytale​

Wäre es nicht so voll, dass sich kaum ein ruhiges Plätzchen finden lässt – ich wäre noch ein paar Stunden geblieben, hätte Ruhe und Geschichte in den kleinen Gässchen aufgesaugt und mit den netten Bewohnern gesprochen.

So ziehen wir schon nach zwei Stunden weiter – weiter Richtung Ardennen und französisch Grenze. Die zerklüfteten Felsen, die grüne Umgebung zeigen mir mal wieder, wie gut es ist, mit dem Auto unterwegs zu sein. Anhalten und Staunen ist kein Problem.

Lovely Dinant

Hätten wir vorher gewusst, dass unser letzter Stop des Tages diese magische Städtchen sein sollte, hätten wir vermutlich mehr Zeit eingeplant. Dinant ist nämlich nicht irgendein belgisches Dorf, sondern wieder mal ein Städtchen wie aus dem Märchen. Eingerahmt von hohen Felsen, das Flüsschen Maas schiebt sich träge und ruhig durch die Stadt, süße Häuschen reihen sich ans Ufer und schaffen eine Promenade zum Flanieren.

Wir spazieren etwas planlos Richtung Stadtzentrum, als uns ein Mann zuruft: „Mesdames, you want to take the last boat ride?“ Wir lassen uns nicht zweimal bitten und nehmen die schmale Stiege hinauf auf das kleine Aussichtsboot. Außer uns warten nur ein älteres Ehepaar und eine asiatische Familie auf die Abfahrt.

Der kleine Dampfer legt ab, Fahrtwind weht uns um die Nase und wir tuckern gemütlich den Fluss hinunter und genießen das Panorama der kleinen Stadt. Ich sag euch, eine Bootsfahrt in Dinant ist echt ein Muss!

Auch Dinant litt unter dem ersten Weltkrieg, ein Denkmal erinnert an ein trauriges Massaker durch deutsche Truppen. Wer sich für Geschichte interessiert, wird in Dinant sicher fündig! Wir gönnen und stattdessen nur noch ein belgisches Bier. 

Dann steigen wir wieder ins Auto, ich beiße in ein etwas latschiges aber trotzdem leckeres Pain au chocolat aus einer kleinen, lokalen Bäckerei. Über uns spannt sich blauer Himmel, keine Wolke zu sehen. Langweilig eigentlich. Ganz im Gegenteil zu dem was wir heute am Boden gesehen haben – Belgien, eine echte Überraschung halt!

Locationtipp: In der Taverne Le Dinant trinken wir ein Leffe, das lokale Bier der Stadt, das zuerst in der Abtei Notre-Dame de Leffe bei Dinant gebraut wurde.

Sicher, die kleine Brasserie ist nichts Besonderes, ich will sie euch aber wegen dem netten Personal einfach ans Herz legen!

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