Prag – Eine Liebeserklärung

Prag-Liebeserklaerung-Erinnerungen

Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wie es passiert ist. Aber ich erinnere mich noch genau an den Moment, in dem ich es wusste. Es war der 27. Januar und mein Mann machte ein Foto von mir, acht Monate, nachdem wir uns das allererste Mal begegnet sind. Da wusste ich auf einmal: Das ist Liebe. Da ist das Kribbeln in meinem Bauch, das breite Grinsen in meinem Gesicht, das Leuchten in meinen Augen. as ist ein Foto, auf dem ich so glücklich aussehe, während ich durch deine Straße laufe. 

Prag, Liebe auf den ersten Blick war es nicht gerade. Es hat lang gedauert, bis du in meinem Kopf die Nachfolge von Kapstadt antreten durftest, bis du mich verzaubern durftest. Aber jetzt, jetzt komme ich immer wieder zu dir zurück, obwohl ich schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr in deiner Mitte aufwache. Ich weiß nicht, wie oft ich schon im Blablacar oder im Flixbus Richtung Grenze saß. Sechsmal, achtmal, zehnmal? Egal, ich kam zurück bei jedem Wetter, im Sommerkleid, im Cardigan oder in der dicken Winterjacke. Ich musste dich wiedersehen. Kann deinem Zauber nicht mehr entkommen.

Die Leute fragen mich: Warum fährst du immer nach Prag zurück?

Die Antwort ist: Wie könnte ich nicht?

Ich habe neue, enge Freunde hier kennengelernt und mit ihnen die geheimen Ecken und schludrigen Bars dieser Stadt entdeckt. Ich habe mich in einen kleinen, schlappohrigen Hund verliebt, der inzwischen zu einem nicht weniger süßen Chihuahua-Mix herangewachsen ist. 

Nicht nur Frida ist gewachsen, sondern auch ich. Ich bin nicht einfach in die Höhe geschossen, nein. Prag war mit Wachstumsschmerzen verbunden. Habe mich gehäutet, aber nur, um am Ende so viel näher bei mir zu sein. 

Ich habe meine Wunden geleckt und mein gebrochenes Herz gepflegt, während ich an Jugendstilbauten vorbeigelaufen bin, ohne sie eines zweiten Blickes zu würdigen. Sie waren schließlich nicht der Tafelberg oder Glen Beach unter der südafrikanischen Sonne, die ich für immer mein Zuhause nennen wollte.

Habe meinen Job gekündigt, mich selbstständig gemacht. Bin geflüchtet aus dieser Stadt, die ich nicht ertragen konnte und zurückgekommen mit genug Aufträgen in der Tasche, um mich über Wasser halten zu können.

Ich habe mit dem Blick auf neun ikonische Brücken beim Uno verloren. Ich habe in dodgy Keller-Bars Joints geraucht und auf dem Wochenmarkt unten am Ufer der Vltava das beste Hummus meines Lebens gegessen. 

Ich habe mit meinen Freundinnen auf dem Prosecco-Festival pitschnass im Regen Aperol getrunken – solange bis Honza uns in sein Zelt gewunken hat, damit wir ein bisschen trocken werden können. Und da sind wir einfach geblieben. 

Ich habe Becherovka getrunken, bis mir übel war und meine Liebe für eingelegten Käse und dunkles Bier entdeckt. Und jetzt freue ich mich jedes Mal unglaublich auf den Moment, wenn ich am Vaclavske Namesti aus der gelben Linie steige, um zur Straßenbahn zu laufen und mich das Nationalmuseum vom oberen Ende des Platzes schon anzuwinken scheint.

Die samtene Revolution fand hier statt, auf dem Wenzelsplatz. Und jedes Mal, wenn ich in Prag ankomme, dann fühle ich mich auch so, als würde ich in einen Samtmantel gehüllt werden – warm, behaglich, vertraut.

Wie könnte ich hierher nicht wieder zurückkommen?

Prag, heute fehlst du mir.

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