Ein Tag im Märchenland: Český Krumlov besuchen

by Kathi Daniela

Český Krumlov (dt.: Krumau) – eine kleine Weltkulturerbe-Stadt mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten, gerade einmal 13.000 Einwohnern und 1,5 Millionen Touristen jährlich. Was macht die Kleinstadt an der Moldau so besonders? Sollte man sie überhaupt noch besuchen und wenn ja, wie verbringt man am Besten die Zeit?

Info: Dieser Beitrag wurde im Jahr 2020 vollständig überarbeitet, mit neuen Bildern versehen und textlich verbessert.

Als wir Český Krumlov 2017 das erste Mal besucht haben war die Stadt schon beliebt – keine Frage. Aber noch nicht so überrannt wie jetzt. 

Seit 1992 gehört der historische Stadtkern von Český Krumlov zum UNESCO-Weltkulturerbe. Kein Wunder, schließlich befindet sich an der Stelle des heutigen Krumau schon seit dem Jahr 900 eine menschliche Siedlung, erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg Crumlov im 13. Jahrhundert – verrückt oder?

Spannend ist auch das deutsche Erbe des kleinen Städtchens. Vor dem ersten Weltkrieg lebten rund 8.000 Deutschtschechen hier, die nach dem zweiten Weltkrieg vertrieben wurde. Heute gehört auch das Schloss, dass einmal im Besitz einer deutschen Familie war, wieder zur Tschechischen Republik.

ANREISE

Die Fahrt von Prag dauert für 175 km gute zweieinhalb Stunden. Denn es geht nicht über die Autobahn, die Straße windet sich durch kleine Dörfer und vorbei an Wäldern und Feldern. Schon alleine die Fahrt ist romantisch und ruhig und stimmt damit schon mal ein auf die historisch-beschauliche Kleinstadt.

Mit dem Zug oder Bus erreicht man die kleine Stadt auch sehr gut von Wien oder München – hier müsst ihr entweder in Salzburg umsteigen oder ihr nehmt die Direktverbindung mit Flixbus.

Park-Chaos bei so vielen Menschen? Zum Glück nicht! Ein gut geplantes Parksystem erleichtert den Weg zur Innenstadt von Český Krumlov. Wir konnte nur 10 Minuten Fußweg entfernt von der Stadtmauer parken. Und zu einem Preis von 100 Kronen (knapp 4 Euro) für den Tag ist das total in Ordnung.

 

Willkommen im Märchenland?

Český Krumlov wirkt vielleicht wie ein Märchenland – und ja, de facto ist es so schön, dass Huawei es in China gerade einfach nachbaut – allerdings wirkt das Städtchen auf Fotos romantischer als im echten Leben. Täglich wird die Stadt von einem Fußballstadion an Touristen überschwemmt, Busse transportieren hunderte Menschen, die die kleinen Gässchen verstopfen. Leider muss ich deswegen irgendwie sagen: Ruhige, geheime Ecken? Fehlanzeige! Ich hatte ein bisschen dieses unschöne Sehenswürdigkeiten-Abklappern-Gefühl, das ich am Reisen so gar nicht mag. Dennoch ist der Hype natürlich irgendwie nachvollziehbar: Die kleine Stadt wirkt wie das Set eines alten, tschechischen Märchenfilms.

Aber schon auf dem Weg zur alten Burg wird es voll. Es ist schwierig, keinem Selfie im Weg zu stehen. Und trotzdem: Die Burg ist beeindruckend. Mich faszinieren vor allem die kleinen Details. Bunte Wände, Fresken – sogar der Bär im Burggraben. Ja, im Ernst. Seit dem Jahr 1999 leben im Burggraben der Burg zwei Bärenpärchen.

Ihr wollt das riesige Burgareal mit seinen vierzig Gebäuden und  Palästen, fünf Schlosshöfen und dem sieben Hektar großen Garten besuchen? Es werden sechs verschiedene Touren ab 180 CZK angeboten, der Eintritt in den Schlossgarten ist kostenlos. Für die meisten Touren ist vorab keine Reservierung erforderlich, allerdings ist es gut, das noch einmal vorab zu überprüfen.

mittagessen

Unser Mittagessen haben wir in der Krumlovský mlýn, einem der wohl beliebtesten und bekanntesten Restaurants direkt an der Vltava. Das merkt man auch an den völlig überforderten Kellnern – auf unser Essen warten wir ewig. Dafür ist das Gulasch super. 

Und hier muss ich mal wieder eine Lanze brechen für die tschechische Restaurant-Kultur – egal wo, ich habe in Tschechien fast nie schlecht gegessen. Der Service mag schlecht sein, die Gerichte sind fast immer ausgezeichnet!

Und die Preise? Sie sind gerade wegen der vielen Besucher locker auf dem Niveau der Prager Innenstadt – wenn nicht sogar drüber.

Eine günstigere Alternative zum Mittagessen außerhalb des Stadtzentrums zu suchen, dazu fehlte uns die Zeit. Schließlich waren wir nur für einen Nachmittag hier, wie die meisten Besucher. Český Krumlov ist so klein, dass ein Tagestrip zum Entdecken ausreicht.

Und vielleicht ist genau das der Trick:
Über Nacht zu bleiben und das Städtchen am späten Abend und frühen Morgen zu erkunden, wenn die Bustouren abgereist oder noch nicht angekommen sind!

Nach dem Mittagessen finden wir sie – die Ruhe und die Romantik in dieser überrannten kleinen Stadt!

Wir überqueren eine hölzerne Brücke, unter uns gleiten Kanuten durch die ruhige, glatte Vltava. Das Wasser ist so klar, dass ich bis auf den Grund hinuntersehen kann. Ein paar Fische schlängeln sich unter den Kanus hindurch. 

Auf der anderen Seite des Flusses ist es ruhiger – und endlich finden wir sie, die stillen Gässchen und die abgeschiedenen Hinterhöfe, in denen nur ein paar Einheimische unter Rosensträuchern einen Schwatz halten.

Wir folgen einer kopfsteingepflasterten Straße durch ein kleines Tor und landen an einem völlig verfallenen Mühlgebäude. Hier lassen wir am Steg die Füße ins kühle Wasser hängen, während an uns noch mehr Touristen vorbeipaddeln. Ob Schlauchboot, Kanu oder Kajak – die Vltava ist definitiv beliebt für jede Art von Boot. Wir beobachten das bunte Treiben auf dem Fluss ein bisschen. Dort ist mehr los als hier bei uns auf dem Land. Wir haben den Steg ganz für uns allein.

Ich bin ganz schön erleichtert, dass die Märchenstadt schlussendlich doch noch ihren Zauber offenbart. Und als wir uns auf den Heimweg machen, bin ich doch ein wenig verzaubert von Český Krumlovs Charme. Touristen hin oder her.

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1 comment

Christine August 4, 2017 - 9:58 am

Mein Papa war dort vor einiger Zeit bei einem Mottoradausflug und seine Fotos sahen schon sehr märchenhaft aus. Scheint eine wirklich tolle Stadt zu sein! Mit einer schönen Atmosphäre.

Oh ja, gerade seit wir das erzählt haben hören wir eigentlich von jedem und von überall, dass das schon mal passiert ist. Es werden anscheinend mehr (Miet-) Autos aufgebrochen als man meistens denken würde.

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