Wochenendtrip: Belgrad entdecken wie ein Local

»Ich werde fünf Wochen über den Balkan reisen, hast du Lust, irgendwo dazu zu stoßen?«, fragte eine Freundin mich vergangenen Sommer – Lehrerin, klar. Wie sollte man sonst mal kurz fünf Wochen freinehmen können. Trotzdem: Klar komm ich irgendwo dazu. Nach kurzem Googlen steht fest: Der Ort, an dem wir uns am besten und kostengünstigsten für uns beide treffen können: Belgrad.

Nie dort gewesen, keine Ahnung von Serbien, aber was soll’s. Völlig unbedarft landeten wir also beide im vergangenen Juni am Nikola Tesla Airport für einen Wochenendtrip in der serbischen Hauptstadt – nur um uns drei Tage vom Paris des Ostens total überraschen zu lassen. Und hier kommt jetzt endlich auch mein #traveldiary von einer Stadt, die noch fast unentdeckt von Touristen ist, aber trotzdem unfassbar viel zu bieten hat.

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Wochenendtrip nach Belgrad

anreise

Die einfachste Anreise nach Belgrad ist mit Air Serbia. Ich habe damals noch in Hamburg gewohnt und bin von Berlin aus für knapp 80 Euro geflogen. Aber auch andere Airlines wie Easyjet fliegen Belgrad mehrmals pro Woche an.

Gebucht habe ich damals über die Website der Airline selbst, das war günstiger als alle Flugsuchmaschinen. Auch jetzt gerade gibt es für Mai beispielsweise mehrere Angebote ab Berlin für 80 Euro oder ab München für etwa 150 Euro mit einmal umsteigen.

Die Flugzeit beträgt nicht ganz zwei Stunden, der Nikola-Tesla-Airport ist 18 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. In die Innenstadt geht es ganz easy mit dem Taxi (auf den Taxameter bestehen!) oder Bus.
Achtung: Google Maps kann die Öffentlichen Verkehrsmittel in Belgrad nicht anzeigen. Dafür funktioniert die App 
Moovit sehr gut und zuverlässig. Der Bus braucht allerdings gut 50 Minuten ins Stadtzentrum, unsere Unterkunft lag etwas außerhalb und ich war 40 Minuten unterwegs.

Wer nicht fliegen möchte, kann alternativ mit dem Auto fahren. Das bietet sich vor allem aus Süddeutschland an. Man braucht etwa 10 Stunden und kann zum Beispiel einen kleinen Roadtrip daraus machen und in Klagenfurt, Ljubljana oder Zagreb einen Stop und eine Übernachtung einbauen.

unterkunft

Geschlafen haben wir auf einem Hausboot auf der Donau. Das ArkaBarka floating hostel & apartments liegt ziemlich idyllisch etwas außerhalb der Innenstadt, mit dem Bus oder Rad kamen wir aber innerhalb von 15 Minuten genau mitten ins Geschehen.

Für nur 27 Euro hatten wir ein Doppel-Zimmer mit Gemeinschaftsbad und inklusive Frühstück, das jetzt nicht gerade weltbewegend ist, aber immerhin gut genug für einen satten Start in den Tag.

Falls ihr es nicht zu luxuriös braucht und auch im Hausboot schlafen wollt, könnt ihr hier direkt buchen.*

Facts first

  • Mit 1,3 Millionen Einwohnern ist Belgrad eine der größten Städte auf dem Balkan
  • Belgrad bedeutet Weiße Stadt. Oft wird die serbische Hauptstadt auch als das Tor zum Balkan bezeichnet
  • Belgrad war fast 70 Jahre lang die Hauptstadt Jugoslawiens, wurde davor von Österreich-Ungarn und dem osmanischen Reich regiert und wurde Ende der 90er Jahre von der NATO bombardiert. Spuren dieser unterschiedlichen Herrschaftszeiten gibt es noch immer überall in der Stadt
  • Im Jahr 2016 kürte der Lonely Planet Belgrad zur besten Party-Stadt der Welt. Über 170 Clubs gibt es in der Metropole, die meisten liegen auf Booten an der Donau
  • Serbien benutzt als einziges europäisches Land zwei Alphabete – nämlich das kyrillische und das lateinische. Serbisch als Sprache ist dem Kroatischen und Bosnischen sehr ähnlich
Wochenendtrip-Belgrad

Da wir mehr oder wenig zufällig für diesen Wochenentrip in Belgrad gelandet sind und unsere Flüge auch sehr kurzfristig gebucht hatten, habe ich mich vor diesem Urlaub tatsächlich überhaupt nicht auf mein Ziel vorbereitet. Keine Blogs gelesen, keine Reiseführer, keine Erwartungen – und wie sich herausgestellt hat, war das für Belgrad tatsächlich die Strategie, mit der wir am besten gefahren sind.

Wir stellen unsere Koffer im Hostel ab und hüpfen in den nächstbesten Bus Richtung Stadtzentrum, die Straßen auf dem Weg gesäumt von kommunistischen Prachbauten, die klar erkennbar ihre besten Tage längst hinter sich hatten. 

Schließlich landen wir im Hotel Moskva, das gepackt voll ist: Novak Đoković, die aktuelle Nummer 1 auf der Tennis-Weltrangliste spielte gegen Roger Federer und ganz Serbien hängt gebannt vor dem Fernseher, um das Match des Staatshelden zu verfolgen.

Und noch während wir uns setzen und einen Eiskaffee und einen Kuchen mit großen, frischen Himbeeren bestellen, wird uns klar: Dieser Wochenendtrip wird anders, als die anderen. Es wird überraschend werden, Belgrad wird uns dazu herausfordern, ihr mit offenen Augen zu begegnen. Die weiße Stadt ist unter einem grauen  Schmuddel-Schleier verborgen und der will erst einmal gelüftet werden.

Glücklicherweise spielt das Wetter mit und die Sonne versetzt uns in Entdecker-Laune.

Wir entscheiden uns, für den ersten Tag keine Pläne zu machen und uns einfach treiben zu lassen. Die Fußgängerzone zu erkunden, an halb verfallenen Prachtbauten vorbei zu schlendern und das Hipster-Viertel der Stadt zu entdecken…

Wochenendtrip-Belgrad-2

Exploring the city centre–
Ein nachmittag im zentrum

Dom des Heiligen Sava – Diese monumentale orthodoxe Kirche ist eines der größten Gotteshäuser der Welt und erinnert irgendwie an die Hagia Sophie. Unbedingt anschauen!

Trg republikeZu Deutsch: Platz der Republik. Zentral in der Stadt gelegen, umgeben von Häusern mit einem interessanten Architektur-Mix.

Hotel Moskva  – Einfach reinsetzen, einen Kaffee trinken und Leute beobachten!

Studentski park – Ein kleiner Park mittem im Uni-Viertel. Perfekt, um bei einem Coffee-to-go dem Trubel der Stadt zu entgehen. Nicht weit von der Fußgängerzone Kneza Mihaila.

Skandarlija – Wird oft mit Montmartre verglichen, nachdem  Belgrad ja Paris des Ostens genannt wird. Kopfsteingepflastertes Künstlerviertel mit vielen alternativen Cafés und Bars. Aber auch etwas touristisch. Trotzdem ein Muss!

Diese und viele andere Sehenswürdigkeiten könnt ihr sicher in jedem Stadtführer auch nochmal nachlesen. Belgrad ist jedoch eher ein Paradies für Architekturliebhaber und viele „klassische“ Sehenswürdigkeiten haben wir uns daher gespart.

Wir haben uns lieber treiben lassen – und es nicht bereut.

all the food: Restaurants

Ich liebe die Balkan-Küche, obwohl sie ziemlich fleischlastig ist und es nicht so viel frisches Obst und Gemüse gibt, sondern vor allem Gekochtes und Eintöpfe.

Wir haben uns durch Belgrad durchgeschlemmt und ein paar Restaurants muss ich mit euch teilen!

Bistro Grad – In der Nähe des Studentenparks. Fabelhafte Cocktails und sehr guten, heimischen Wein.
Uzun Mirkova 5, Beograd

Vuk – Ein kurzer Name, aber der reicht auch, denn die Beschreibungen, mit denen man das Essen loben möchte sind ungleich länger. Klassische serbische Küche – unbedingt Pljeskavica mit Kajmak probieren!
Vuka Karadžića 12, Beograd 11000

ENDORFINMit die besten Truffle fries, die ich jemals gegessen habe, außerdem sehr feiner Wein!
Braće Jugovića 3, Beograd 11000

Centrala – Sehr coole, alternative Bar im Boho-Shabby-Chic mit sehr günstigen Drinks.
Simina 6, Beograd

 

Den perfekten Sundowner-Spot verrate ich euch weiter unten im Beitrag!

Wochenendtrip-Belgrad-Skandarlija

explore some more
wochenendtrip ins grüne

Nach einer mehr oder weniger durchwachten Nacht, dank einer serbischen Geburststagsparty im  Frühstücksraum des Hostels treffen wir am nächsten Tag Zorica, eine Arbeitskollegin meiner Freundin und aufgewachsen in Belgrad und Umgebung.

Nova Beograd, den sozialistischen Teil der Stadt, in dem während der jugoslawischen Zeit Plattenbauten schnell und mit wenig ästhetischem Anspruch hochgezogen wurden – eine wichtige Sehenswürdigkeit? Können wir uns sparen, sagt Zorica. Hässliches gibt es schließlich auf der Welt genug. Stattdessen führt sie uns raus aus der Stadt.

Wir treffen uns beim Hotel Jugosloavia in Block 11 (in der Neustadt sind die in Quadraten angelegten Stadtviertel durchnummeriert) und spazieren gut vierzig Minuten an der Donau entlang, bis wir in Gardoš (sprich: Gardosch) landen – einem Stadtteil Belgrads, in dem vom Smok und Trubel der Stadt und der Hässlichkeit der Plattenbauten nichts mehr übrig ist.

Wir spazieren vorbei an Kunstgalerien und kleinen Restaurants rauf zur Kula Gardoš, dem 36 Meter hohen Millenium-Turm aus Zeiten der Monarchie. Von hier oben sehen die grauen Plattenbauten klein und weniger bedrückend aus und die Donau glitzert friedlich in der Sonne mit den typisch balkanischen roten Dächern um die Wette.

Wir schlendern den Berg hinunter, setzen uns in ein Restaurant an den Fluss und genießen Dolma (gefüllte Gemüse) mit frischem Brot, Plejskavica (serbischen Burger) und Bohnensuppe, bevor es zurück geht, in den Trubel der Stadt – bereit für eine weitere Nacht im Berlin des Ostens.

Wochenendtrip-Belgrad-Zemun

Der schönste Sonnenuntergang in ganz belgrad

Bevor die Nacht unten an den Partybooten startet, erleben wir ihn: Den schönsten Sonnenuntergang des bisherigen Jahres und ein Geheimtipp vom Guide unserer Free-Walking-Tour!

Während die Touristen sich auf den Mauern der Kalemegdan, der Festung von Belgrad mit ihrem riesigen Park, drängen, spazieren wir ganz lässig in den hinteren Teil der riesigen Festungsanlage.

Hier steht die Rosenkirche, eine kleine orthodoxe Kirche, in der die Lüster aus alten Bajonetten gebaut sind und direkt dahinter versteckt sich ein kleiner Pfad, über den wir zur Boho Bar kommen, vielleicht eine der schönsten Bars, in denen ich jemals einen Sundowner hatte.

Und während wir einen Gin&Tonic trinken, entzündet sich der Himmel in den verrücktesten Sonnenuntergangsfarben – und Belgrad wirkt zum ersten Mal seit drei Tagen geradezu magisch.

Wochenendtrip-Belgrad-Sonnenuntergang

mehr restaurants

Restoran Manufaktura – Das Restaurant, vor dem Instagrammer ihren Lieblingsshot in Belgrad machen. Leckere Hausmannskost.

Cantina de Frida – Wer hat den gesagt, dass man in Serbien nur serbisch Essen darf? In Cantina de Frida gibt es tolles mexikanisches Essen mit einem super Blick auf die Donau!

Beton Hala  – Kein Restaurant, sondern eine ganze Flaniermeile voller Restaurants an der Save, die zum Schlemmen einlädt.

Sarajevski ćevap – Für jeden, der es nicht schafft, auch Sarajevo zu besuchen: Traditionelles bosnisches Essen gibt es hier, angeblich genauso gut wie in der Hauptstadt!

4 Dunje – Hübscher Indoor-Garten, gut, um dem Trubel der Stadt für eine Stunde oder so zu entfliehen.

mehr Sehenswürdigkeiten

Kalemegdan – Die Burg von Belgrad ist mit ihrem Park so riesig, dass man beinahe den ganzen Nachmittag dort verbringen kann. Unbedingt die Rosenkirche und die Panzer-Ausstellung ansehen.

Novi Beograd – Einfach ein Fahrrad mieten und ein paar Blocks der Neustadt abfahren – in ihrer Effizienz und Hässlichkeit ist sie definitiv einen Blick wert, der an die jugoslawische und kommunistische Vergangenheit erinnert.

Dorćol  – Der älteste Teil Belgrads, jetzt voll mit hippen Shops und Hipster-Cafés, der bis hinunter zur Donau führt.

 

Auf jeden Fall rentiert es sich auch, für einen Wochenendtrip einfach eine Free Walking Tour zu machen, da Belgrad eine turbulente Vergangenheit hat und die Geschichte einfach von einem Local viel besser erzählt werden kann, als von einem Wikipedia-Artikel.

 

 

Ganz viele tolle Sehenswürdigkeiten und Tipps für einen Wochenendtrip nach Belgrad, auch für vegane Restaurants, findet ihr auch bei Mia auf heylilahey.

is it safe?

Ich werde wirklich häufig nach der Sicherheit gefragt, wenn ich auf dem Balkan reise. Gleich vorneweg: Belgrad ist eine sichere und völlig normale europäische Stadt.

Ein paar Tipps und Hinweise habe ich trotzdem: 

  • Taxi- und Busfahrer nutzen es gerne aus, dass man als Tourist kein Serbisch spricht und es könnte passieren, dass sie versuchen, euch abzuzocken. Da hilft nur: Beim Taxi auf einen eingeschalteten Taxameter bestehen und beim Busfahrer möglichst passend bezahlen.
  • Taschendiebe: Achtet auf eure Taschen oder euer Gepäck – das hat aber jetzt weniger mit Belgrad zu tun, sondern gilt ja einfach für jede Großstadt auf der Welt.
  • Der Verkehr ist hier sehr stark und die Autofahrer nehmen wenig Rücksicht. Also nicht einfach den Zebrastreifen überqueren, sondern lieber einmal mehr nach links und rechts schauen

Das einzige, was mich in Serbien und auch Bosnien wirklich, wirklich nervt, ist, dass drinnen geraucht wird. Wenn ihr da also wirklich empfindlich seid, dann ist es wirklich empfehlenswert, im Sommer zu rauchen, wenn man auf Terrassen sitzen kann. Denn im Winter kann es in geschlossenen Räumen wirklich eine Zumutung sein.

2 Gedanken zu „Wochenendtrip: Belgrad entdecken wie ein Local“

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