Lieblingsplätze in Bosnien-Herzegowina: Sieben Orte, die ihr gesehen haben müsst

by Kathi Daniela

Wie kommt es, dass sich dieses kleine Land einfach nicht von seiner Vergangenheit lösen kann? Dass noch immer die ersten Suchergebnisse, die Google ausspuckt sich um die Reisesicherheit, den Zerfall Jugoslawiens und die schrecklichen Geschehnisse der frühen 90er Jahre drehen? Es scheint, als wäre Bosnien und Herzegowina verdammt dazu, immer und immer wieder seine Vergangenheit zu durchleben – ohne eine Chance, mit ihr abzuschließen. Wie ein Ex, der immer wieder anruft kommt der Krieg zurück gekrochen, ist der Nationalismus mal besser und mal schlechter unterdrückt im alltäglichen Leben präsent.

Und dennoch: Dem Zauber von Bosnien-Herzegowina kann sich kaum jemand entziehen. Wer einmal da war und es geliebt hat, der wird immer wieder kommen, nicht genug kriegen von dieser ungewöhnlichen Mischung aus Vergangenheit und Moderne, aus Zukunftsträumen und Schatten längst verlorener Epochen. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass Bosnien-Herzegowina auf jeder Reiseliste stehen sollte. Denn dieses Land hat mir so viel beigebracht: Bescheidenheit, Ehrfurcht, Schönheit und Toleranz.

Hier liegt Gutes und Schlechtes so nah zusammen und eines steht fest… es gibt mindestens sieben Orte, die man hier gesehen haben muss – wenn nicht mehr!

#1 jajce

bosniens alte königsstadt

Tosendes Wasser, dass uns auf der kleinen Aussichtsplattform mit einem Regenbogen an Tropfen besprüht, ein Wasserfall mitten in der Stadt – die Pliva, die 17 Meter in die Tiefe stürzt, um sich dann mit der Vrbas zu vereinen.

Nicht nur das gibt es in Jajce zu sehen – die Kleinstadt im Nordwesten von Bosnien-Herzegowina ist außerdem ehemalige Königstadt der bosnischen Herrscher und hat deshalb auch eine gute erhaltene Altstadt und Festung zu bieten.

Die Stadt hat sich ihre königliche Erhabenheit auch über die Jahre hinweg erhalten, ihre Identität nach dem Krieg zurück erobert – und sich nicht unterkriegen lassen, sondern ihre Vergangenheit stolz für alle Besucher wieder sichtbar gemacht.

#2 MLinčići

das kleine dorf der mühlen

In Mlinčići anzukommen, fühlt sich an, wie aufzuatmen. Das fröhliche gluckernde und gurgelnde Wasser und die kleinen Holzmühlen, die unbeeindruckt dem lärmenden Bach trotzen, dazu all die Bäume, deren Blätter in der Brise knistern. Es ist schwierig, hier gestresst zu sein.

Direkt am Übergang zwischen großem und kleinem Pliva See gelegen sind die Holzhütten mit kleinen Stegen verbunden. Früher waren es sechsundzwanzig Stück, geblieben sind heute nur noch zwanzig. 

Reiche Grundbesitzer bauten die kleinen Mühlen, die ersten schon im 16. Jahrhundert, und vermieteten sie an ihre Pächter, damit diese dort Mehl mahlen konnten. Heute sind die kleinen Gebäude Zeugen bosnischer Handwerkskunst.

 

#3 PočitelJ

das künstlerdorf

Nicht einmal mehr 1.000 Menschen leben in diesem Open-Air-Museum, viele von ihnen Künstler. Der kleine Ort Počitelj ist innerhalb Bosniens weit bekannt als Künstlerdorf.

Obwohl im Krieg stark zerstört, hat Pocitelj sich seinen Zauber und seinen Charakter auch nach der Renovierung der zerstörten Gebäude erhalten können und die Türme von Burg, Moschee und der allgegenwärtige Uhrturm wachen heute wieder über die kleine Stadt.

#4 StARI MOST

MOSTars alte brücke

Am Morgen, am Abend, in der Nacht – ich weiß nicht wie oft ich die ikonische Brücke schon fotografiert habe und wie viele Bilder von ihrer majestätischen Form auf meiner Festplatte herumschwirren…

Erbaut im Jahr 1566 war sie ein echtes Meisterwerk osmanischer Baukunst, 19 Meter hoch, das die zwei Stadtteile noch heute miteinander verbindet.

Vollständig zerstört von der kroatischen Armee im Bosnien-Krieg, wurde die Brücke über fast ein Jahrzehnt wieder erbaut und 2004 eröffnet. Heute steht sie in der Liste des Weltkulturerbes. 

#5 Strbački Buk

bosniens schönster wasserfall

Wir hören ihn bereits, bevor wir ihn sehen. Dieses tosende Brausen von hunderten und aberhunderten Litern an Wasser, das sich in die Tiefe ergießt. Die Bäume um uns sind tiefgrün, der Fluss Una, der sich wenige Meter weiter in die Tiefe stürzen wird, fließt ruhig und smaragdgrün dahin…

Er ist nicht ganz einfach zu erreichen – nur über eine kilometerlange Dirt Road, doch er ist die Fahrt mehr als wert: Der 25 Meter hohe Wasserfall Strbački Buk, der die Grenze zwischen Bosnien-Herzegowina und Kroatien darstellt.

Gelegen im Una-Nationalpark besteht der besondere Wasserfall aus mehreren direkt hintereinander gelegenen Fällen, sowie vielen kleinen Wasserfällen, die die grünen Wälder durchströmen.  

#6 Bob-bahn

der geist der olympischen spiele

1984 war Sarajevo Austragungsort für die Olympischen Winterspiele. Und auch, wenn nicht mehr viel vom alten Glanz erhalten ist: Die zerstörte Bob-Bahn gibt zumindest einen kleinen Einblick in den Glanz von 1984. 

Mit vielen Kurven windet sie sich Trebević hinunter, den Hausberg von Sarajevo. An ihr oder auf ihr entlang zu spazieren ist ein Muss für jeden Besucher der Hauptstadt.

Heute wird die Bahn im Sommer von Bob-Teams aus der Region als Trainingsstrecke genutzt und die Graffiti-Künstler der Stadt verewigen sich auf ihr – man was nie, welches Kunstwerk hinter der nächsten Ecke vielleicht wartet!

#7 Tekija

das alte derwisch-kloster

Der Blick schweift nach oben, den Kopf muss ich weit in den Nacken legen, um den Gipfel des Felsens zu sehen, an den das alte Derwischkloster sich schmiegt.

Seit dem 15. Jahrhundert ist dieser Ort an der Quelle des Flusses Buna ein spirituelles Ziel und eine besondere Sehenswürdigkeit. Noch heute singen hier dreimal die Woche Derwische zu Allah.

Doch auch für Nicht-Gläubige ist dieser Ort ein beeindruckender Zeuge der Zeit und Architekturkunst der Osmanen. Ist das alte Derwisch-Kloster ein Touristen-Hotspot? Ja! Aber ist es sehenswert? Ja, unbedingt! Die besten Zeiten sind, wie überall mit viel Andrang, am morgen oder frühen Abend.

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