Ein Roadtrip durch Albanien – Part I

by Kathi Daniela

EIN ROADTRIP DURCH ALBANIEN: ABENTEUERLICH, ABER TRAUMHAFT

"Streckenlänge: 20 Kilometer, Dauer: 38 Minuten" – so lesen sich viele Google Maps Anzeigen auf unserem Roadtrip durch Albanien. Ob eine Straße eine nagelneue Autobahn ist oder nur eine Schotterpiste mit knietiefen Schlaglöchern bleibt jedes Mal eine Überraschung.

Ein Roadtrip durch ein bisher beinahe unbekanntes Balkan-Land, den Corona-Restriktionen entkommen, dem Herbst noch ein paar Tage ein Schnippchen schlagen – das war unser Plan, als wir nach Albanien aufgebrochen sind. Nur einen kleinen Handgepäck Koffer, weil der Wetterbericht 30 Grad aufwärts versprach und einen alternden VW Golf als fahrbaren Untersatz – nicht wissend was uns erwartet!

Hier kommt ein #traveldiary über einen der abenteuerlichsten, an wenigsten erkundeten Orte Europas…​

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Wir hatten 13 Tage Zeit, um Albanien mit dem Auto zu erkunden. Ein Roadtrip ist immer meine erste Wahl – und besonders auf dem Balkan, wo öffentliche Verkehrsmittel nicht immer so zuverlässig funktionieren ist es sicherlich auch eine gute Wahl.

Wir haben uns vorher eine grobe Route überlegt, aber sind trotzdem spontan geblieben, haben immer erst ein oder zwei Tage vorher eine Unterkunft gebucht und sind am Ende nach 10 Tagen schon nach Hause gefahren – es hat einfach gereicht. 

Unser Roadtrip durch Albanien lässt sich also in 10 bis 12 Tagen easy selbst nachfahren.

a few facts first

  1. Die Basics zuerst: In Albanien leben rund 2,8 Millionen Menschen – ein Großteil der Albaner (Schätzungen sprechen von 7-10 Millionen) leben außerhalb ihre Heimatlandes, überwiegend in anderen europäischen Ländern

  2. Als Albanien 1991 vom Kommunismus befreit wurde, gab es gerade einmal 3.000 Autos im Land. Heute fahren die Albaner mit Vorliebe Mercedes – und gehören zu den schlimmsten Fahrern der Welt

  3. Eine albanische Tradition ist der Xhiro (Jiro) – ein Spaziergang am frühen Abend, bei dem man sich mit Nachbarn und Freunden austauscht, sich die Beine vertritt und frische Luft schnappt

  4. Im ganzen Land gibt es 750.000 Bunker, die vom kommunistischen Diktator Enver Hoxha errichtet wurden, um Albanien von Invasionen von außerhalb und ihn und seine Anhänger von Protesten innerhalb des Landes zu schützen

  5. Wenn es um Frauenrechte geht, hat Albanien noch einen sehr weiten Weg vor sich: Es ist das einzige Land in Europa, in dem geschlechtsbezogene Abtreibungen durchgeführt werden, da weibliche Kinder nicht erwünscht sind. Frauen werden noch immer als Besitz des Mannes gesehen, können nicht erben oder selbst Land oder Immobilien besitzen
Mann auf Fahrrad in Albanien
Villa Bekteshi

Tag 1 – Ein Roadtrip durch Albanien

Hi, Shkodra...

Unser Roadtrip durch Albanien beginnt ganz im Norden, nur 45 Minuten entfernt von der montenegrinischen Grenze, in Shkodra. Schon 2.400 Jahre alt ist die Stadt, die heute aber noch sehr unter ihrer schlechten wirtschaftlichen Lage leidet.

Wir kommen am späten Nachmittag an und fahren durch trostlose kommunistische Wohnblöcke Richtung Stadtzentrum – nur wenige Straßen, die sich aber mit einem fast italienischen Charme präsentieren.  Vorbei an der Ebu Bekr Moschee spazieren wir mit zahlreichen Albanern in den kühler werdenden Abend und nehmen so, ohne es zu wissen, an unserem ersten Xhiro teil. Fahrräder und Roller sausen vorbei, die Polizei regelt den Verkehr.

Am nächsten Tag nehmen wir uns Zeit, um zur Festung Rozafa zu spazieren, die noch aus der Zeit der Illyrer über der Stadt thront. Schon wenige hundert Meter vom Stadtzentrum entfernt übermannt uns der Müll, Menschen die in Tonne wühlen und die Wellblechhütten, die hinter einem Supermarkt erbaut wurden.

Der Ausblick von der Burgruine entschädigt uns für den Eindruck. Und nach zwei Tagen Shkodra sind wir uns einig: Ein Tag hätte vielleicht auch gereicht, um das Stadtzentrum zu erkunden.

Location-Tipps

1. Restorant Sofra für günstiges und gutes, traditionell albanisches Essen. Für nur 6,50 Euro hatten wir zwei Hauptspeisen, ein Dessert und zwei Gläser Wein (den ich leider nicht so empfehlen kann, generell fand ich den Wein in Albanien nicht so umwerfend)

2. Vila Bekteshi – hier haben wir ebenfalls sehr gut albanisch gegessen, die Preise waren etwas gehobener (für albanische Verhältnisse, ein Abendessen und 2 Gläser Wein kamen auf 10 EUR pro Person). Das Ambiente war wirklich sehr schön

3. Bed Station ist eigentlich ein Hostel, hat aber auch eine schöne Hinterhof-Bar in der wir noch auf ein paar Drinks gegangen sind

4. The Wanderers Hostel ist meine Empfehlung für eine Unterkunft in Shkodra. Es war günstig, sehr sauber, inklusive Frühstück und die Inhaber waren super nett

Albaniens Straßen, albanische Fahrer und Google Maps

Ein Roadtrip durch Albanien wird sicherlich nicht langweilig – dafür sorgen die Straßenverhältnisse, die Albaner selbst und auch Google Maps.

Mehr als einmal hat uns Google nämlich in die Irre geführt, weil manche Straßen, die verzeichnet sind gar nicht existieren und wiederum andere Straßen, die zu Sehenswürdigkeiten oder beaches führen, nicht angezeigt werden. Es ist also ratsam, immer selbst noch einmal rein zu zoomen und die Route anzusehen, die Google Maps da vorschlägt – eventuell führt die Karte einen sonst nämlich auf eine Schotterpiste mitten im Nirgendwo.

A propos Schotterpiste – die Zustände der albanischen Straßen variieren stark. Zwischen den größeren Städten ist die Anbindung gut, sobald man jedoch von den Hauptverkehrsachsen abweicht, kann sich das Bild sehr schnell ändern und Teer weicht Schotterpisten voller knietiefer Schlaglöcher. Hier ist am Ende doch wieder Google Maps ein ganz guter Indikator – wenn eine Strecke von 20 Kilometern 40 Minuten Fahrzeit braucht, dann weiß man schon, worauf man sich einstellen darf. 

Und dann noch ein Wort über die albanischen Fahrer: Regeln gibt es für sie keine. Drei Spuren werden schnell mal zu fünf gemacht und Vorfahrt ist überhaupt kein Begriff. Ich war überrascht, dass wir in den ganzen zehn Tagen keinen Unfall gesehen haben – die Albaner selbst scheinen zu wissen, wie das System funktioniert und nehmen am Ende doch alle aufeinander Rücksicht. Für eine Fahrer aus Westeuropa kann das aber ganz schön stressig und gefährlich werden.

Tag 2 – Ein Roadtrip durch Albanien

Let's go to Tirana…

Unseren dritten Tag widmen wir der albanischen Hauptstadt. In der Metropolregion leben immerhin fast eine Million Menschen, was die Stadt auch entsprechend lebhaft macht. Wir kämpfen uns durch den verrückten albanischen Verkehr bis zu unserem Hostel durch. 

The English Hostel ist nur rund drei Minuten Fußweg von der Namazgjah Moschee entfernt, die einmal die größte Moschee auf dem Balkan werden soll – allerdings wird schon seit 2015 daran gebaut, viel zu sehen oder fotografieren gibt es über die Bauzäune hinweg noch nicht. Wir spazieren also weiter zum neuen Basar, Pazari i Ri – einer Markthalle in der frisches Obst und Gemüse verkauft wird. Hell und freundlich erscheint sie, im Vergleich zu den heruntergekommenen Gebäuden der Hauptstadt, die mit einem Chaos aus Stromkabeln vernetzt werden.

Unser nächster Stop ist der Skënderbej Platz, der ist natürlich ein Must See, aber interessanter ist wohl das Bunk’Art 2 Museum, das eine Menge über die Geschichte Albaniens, die Diktatur und die Sigurimi, die albanische Stasi, verrät. Die Stimmung ist danach etwas gedrückt, also wird es Zeit für einen kleinen Pick-Me-Up.

Ein Stamperl Schnaps anyone? Wir ziehen weiter zur Bar Komiteti, eine Empfehlung unsere Hosts – das Museums-Café hat sich auf Raki, den Schnaps des Balkans spezialisiert und bietet sogar ein Tasting an. Wir beschränken uns aber darauf, den Honig- und den Chili-Schnaps zu probieren, immerhin haben wir noch eine Reservierung zum Abendessen einzuhalten! 

Vorbei an der Pyramide von Tirana (als Mausoleum für den Diktator Enver Hoxha gedacht, jetzt leer und verfallen) und über den Mutter-Theresa-Platz, der um die frühen Abendstunden voll mit Jugendlichen ist, geht es zum Abendessen.

Wir beenden unseren Tag in Tirana mit einem Absacker im Blloku, dem neuen In-Viertel von Tirana. Hier gilt es, zu sehen und gesehen zu werden – zahlreiche Bars und Restaurants reihen sich aneinander, der Villa des ehemaligen Diktator schenkt niemand Beachtung, nur wir versuchen einen Blick in die dunklen Fenster zu erhaschen, während an uns Mercedes-Benz vorbei fahren, aus denen laute Bässe wummern. 

Gegen elf leeren sich die Straßen langsam, die Autos wurden genügend präsentiert und ausgefahren und die Gehsteige hochgeklappt. Wir kehren zum Hostel zurück – morgen geht es weiter ans Meer!

The best Restaurants & Bars in Tirana

Blloku – der beste Spot für Bars und Restaurants in Tirana ist generell das Viertel Blloku, ein alter kommunistischer Block, in dem sich nach und nach Bars und Restaurants angesiedelt haben. Heute ist es der Stadtteil Tiranas, in dem sich das Nachtleben und das typisch balkanische „sehen und gesehen werden“ abspielt. Wir sind einfach rum spaziert, bis wir einen tollen Spot entdeckt haben.

Komiteti das Museums-Café hat sich auf Raki spezialisiert und bietet sogar Tastings an. Die kommunistische Einrichtung mit Vintage-Stücken aus dieser Zeit trägt zusätzlich zur Atmosphäre bei 

Ceren Ismet Shehu etwas außerhalb von Tirana, aber es ist die Fahrt so wert! Es gibt keine Karte, serviert werden typisch albanische Vorspeisen, gefolgt von entweder Kalb, Ziege oder Lamm als Fleischgang. Optionen für Vegetarier sind vorhanden

Kino – die Bar für unseren Absacker. Gute Cocktails und ein hübscher Garten. Rund herum gibt es aber noch zahlreiche andere schöne Bars

Albanien Roadtrip: Pyramide von Tirana
Albanien Roadtrip: Straße in Tirana
Albanien Roadtrip: Pyramide von Tirana

Ein paar Worte über Albaniens Müll-Problem

Während unserer Reise haben wir nicht nur wiederholt Albaner gesehen, die ihren Müll einfach aus dem Auto auf die Straße geworfen haben oder auch in der Stadt leere Zigarettenschachteln, Wasserflaschen oder ähnliches einfach achtlos hinter sich geschmissen haben. Und nicht nur das, auch ist uns sofort aufgefallen: Überall liegt Müll! Und zwar wirklich überall.

Am Strand zwei Meter neben den Liegestühlen, in einer weniger belebten Gasse in der Innenstadt oder im Park – die Albaner haben keinerlei Müll- oder Umweltbewusstsein. Das ist aber nicht direkt ihre Schuld, sondern mehreren Faktoren geschuldet. Einer davon ist sicherlich die fehlende Schaffung eines Umweltbewusstseins durch Bildung. Auf der anderen Seite wurde das Land, als es sich im Jahr 1991 nach fast 50-jähriger Abschottung öffnete, aber auch von einer Müllflut überschwemmt: Plastik, Einmalprodukte, moderne Verpackungen… Gleichzeitig verfügt Albanien über eine sehr rudimentäre Müllentsorgung – ich habe gehört, dass viele Albaner sich regelrecht gezwungen sehen, ihren Hausmüll in irgendwelchen Gräben zu entsorgen, weil die Infrastruktur für Müllverwertung nicht gegeben ist; und von Recycling sprechen wir hier gar nicht erst. 

Es ist wirklich schade, dass das Land so im Müll versinkt – der Gestank, die wild wuchernden Mülldeponien, die Müllberge überall und natürlich auch der Abfall, der unkontrolliert verbrannt wird, verpassen einem Roadtrip in Albanien wirklich einen Dämpfer. Es bleibt zu hoffen, dass die Albaner bald den Wert von Umweltschutz erkennen und sich dieses Problems annehmen – immerhin scheinen langsam auch Stimmen in der Bevölkerung laut zu werden, den Menschen reicht es.

Tag 3 bis 5 – Ein Roadtrip durch Albanien

Beautiful Vlora?

Vlora ist die drittgrößte Stadt Albaniens und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Eine Weile war sie sogar die Hauptstadt des Landes.

Dennoch konnte wir Vlora nicht viel abgewinnen. Das Stadtzentrum, das aus kaum mehr als zwei Straßen besteht, konnte uns nicht über all den Müll und die Verwahrlosung hinweg trösten, die wir in jeder Straße dort bemerkt haben. Die Strände waren verschmutzt und wurden unliebsam behandelt – selbst einen Privatstrand ohne Müllhalde am Rand zu finden war schwierig für uns.

Die Promenade der Stadt wird gerade mit Hilfe der EU ausgebaut und vielleicht wird Vlora in ein paar Jahren eine hübsche Kleinstadt sein – für uns war sie allerdings keinen Besuch wert!

Die schönsten Strände zwischen Vlora und Saranda

Viel mehr empfohlen werden auch in jedem Reisebericht über Vlora die Städte an der Uferstraße Richtung Saranda. Und genau für diese haben wir uns einen ganzen Tag Zeit genommen. Was für eine Erleichterung, dass hier endlich auch die Sauberkeit und kristallklares Wasser zu finden waren, die uns alle versprochen hatten! Auch die Fahrt selbst ist beeindruckend, führt durch die Berge und über Pässe und bietet ein paar wunderbare Ausblicke auf das Meer.

1. Jala Beach – ein schöner und sauberer Beach mit kristallklarem, seichtem Wasser und einigen Beach Bars.

2. Borsh Beach – ein etwas exklusiverer Beach, hier kann man nicht einfach sein Handtuch ausbreiten, sondern es ist besser einen Liegestuhl zu mieten. Dafür picobello sauber

3. Kico Meniko Restaurant und Bucht – kein wirklicher Strand, aber hier kann man schwimmen, während man auf das Mittagessen wartet: Frischen Fisch und Shrimps. Etwas schwierig zu erreichen und am besten beim letzten bewohnten Haus auf der Strecke das Auto stehen lassen und die letzten 5 Minuten laufen

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1 comment

Ein Roadtrip durch Albanien – Part I: Tipps, Route und Eindrücke September 25, 2020 - 11:32 am

[…] Falls ihr ihn noch nicht gelesen habt: Hier geht’s zu Teil I […]

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